Die Lage von Menschen mit Schwerbehinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich erneut verschlechtert. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Handelsblatt Research Instituts, die im Auftrag von Aktion Mensch erstellt wurde. Demnach ist ein eigens entwickelter Indikator, der verschiedene Teilbereiche der Inklusion im Arbeitsleben zusammenfasst, bereits zum zweiten Mal in Folge gesunken.
Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Arbeitslosenzahlen:
Im Oktober waren bundesweit rund 185.400 schwerbehinderte Menschen arbeitslos – ein Anstieg von knapp fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Damit verstärkt sich ein Trend, der Sozialverbände und Expertinnen zunehmend beunruhigt. Schwerbehinderte Menschen haben es ohnehin schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und bleiben durchschnittlich deutlich länger ohne Beschäftigung.
Probleme bei Inklusion und Beschäftigungspflicht
Die Studie deutet darauf hin, dass viele Arbeitgeber weiterhin zu wenig tun, um ihrer gesetzlichen Beschäftigungspflicht nachzukommen. Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten müssen eigentlich mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzen. Tun sie das nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen.
Doch laut Aktion Mensch zeigen die Daten:
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Viele Betriebe zahlen lieber die Abgabe, statt Menschen mit Behinderung einzustellen.
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Barrieren in Köpfen und Betriebsstrukturen bestehen weiterhin fort.
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Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber stoßen nach wie vor auf Vorurteile oder werden nach schweren Erkrankungen nicht mehr übernommen.
Wirtschaftliche Unsicherheit verschärft die Lage
Konjunkturelle Unsicherheiten, Stellenstreichungen und ein schwieriger Arbeitsmarkt belasten die Situation zusätzlich. Studienleiterinnen weisen darauf hin, dass Menschen mit Behinderung zu den ersten gehören, die von Umstrukturierungen betroffen sind – und zu den letzten, die bei einem Aufschwung profitieren.
Forderungen nach entschlosseneren Maßnahmen
Aktion Mensch fordert von Arbeitgebern und Politik ein stärkeres Engagement für echte Inklusion:
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Mehr barrierefreie Arbeitsplätze, sowohl technisch als auch organisatorisch.
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Gezielte Förderung von Unternehmen, die inklusive Strukturen aufbauen.
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Härtere Sanktionen, wenn Unternehmen ihre Beschäftigungspflicht bewusst ignorieren.
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Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für schwerbehinderte Menschen.
Fazit: Inklusion bleibt eine zentrale Herausforderung
Der Rückgang des Inklusionsindikators im zweiten Jahr in Folge ist ein klares Warnsignal: Menschen mit Schwerbehinderung sind am Arbeitsmarkt weiterhin strukturell benachteiligt – und die Lücke vergrößert sich aktuell sogar.
Aktion Mensch betont, dass Inklusion kein „Nice-to-have“ sei, sondern ein wesentlicher Bestandteil eines modernen, fairen Arbeitsmarktes. Die steigenden Arbeitslosenzahlen zeigen: Deutschland hat hier noch einen langen Weg vor sich.