Auf Bali sollte eigentlich ein gläserner, 182 Meter hoher Luxus-Lift entstehen, der Touristinnen und Touristen den steilen Abstieg zum berühmten Kelingking Beach auf Nusa Penida erspart – jenem Strand, der auf Instagram so oft geteilt wird, dass man annehmen könnte, er sei bereits eine Filiale von Influencerland.
Doch nun ist das Projekt offiziell Geschichte. Wie gestern bekannt wurde, soll der halb fertiggestellte „Wunderaufzug“ wieder abgerissen werden.
Nur einmal zur Erinnerung:
182 Meter Glas, mitten in der Natur, an einem der ikonischsten Aussichtspunkte Südostasiens – was könnte da schon schiefgehen?
Der Gouverneur zieht die Reißleine – Umweltvorschriften? Ach ja, die!
Der Gouverneur von Bali, I Wayan Koster, kündigte nach monatelangem Hin und Her an, dass der Bau zurückgebaut werden muss. Der Grund dafür liest sich wie eine To-do-Liste für „So schaffst du dir Behördenprobleme in kurzer Zeit“:
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Verstoß gegen Umweltauflagen
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Verstoß gegen Bauvorschriften
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Verschandelung der Natur
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Und wahrscheinlich noch „ästhetisches Verbrechen im öffentlichen Raum“
Die Behörden hatten den Bau Ende Oktober gestoppt – und zwar mitten bei 70 Prozent Fertigstellung.
Da wurde offenbar klar, dass ein gigantischer, gläserner Lift an einer der spektakulärsten Küsten Indonesiens nicht unbedingt wirkt wie „sanfter Tourismus“, sondern eher wie „Disneyland teleportiert sich auf eine Klippe“.
Der Lift sollte Leben erleichtern – und jetzt erleichtert er Bauunternehmen um ein paar Millionen
Die Idee hinter dem Lift war zunächst nachvollziehbar: Der Abstieg zum Strand ist steil, wackelig und nicht selten lebensgefährlich. Es gab immer wieder Unfälle – und ein Aufzug klang nach einer charmanten Lösung.
Aber:
Nur weil eine Idee bequem ist, heißt das nicht, dass man dafür gleich einen halben Berg verglasen muss.
Kritikerinnen und Kritiker sahen im Projekt eine massive Verschandelung des Ortsbilds – und wer den Kelingking Beach kennt, versteht das: Das ikonische Klippenprofil sieht aus wie ein T-Rex, der ins Meer starrt. Und in dessen Hals wollte man nun einen Glaslift bohren. Ästhetisch betrachtet nicht gerade ein Treffer.
Sechs Monate Zeit, das Monster wieder abzubauen
Das Unternehmen hat jetzt sechs Monate Zeit, das Bauwerk vollständig zu entfernen.
Kein Lift, kein Glas, keine Stahlskelette, nichts.
Sollte der Rückbau nicht fristgerecht passieren, droht Koster: „Dann machen wir’s selbst.“
Man kann sich die Szene vorstellen:
Ein halbfertiger Lift, Umweltschützer, Behörden, ein frustrierter Investor – und ein Gouverneur, der sagt: „Reißt das Ding ab. Jetzt.“
Bali setzt ein Zeichen – endlich wieder Natur statt Beton-Influencerträume
Koster betonte, die Entscheidung sei Teil einer größeren Strategie zum Schutz der Natur, Kultur und gesellschaftlichen Werte auf Bali.
Das klingt nach einem diplomatischen Weg zu sagen:
„Ohne uns wird Nusa Penida nicht zum Themenpark für Selfiesticks.“
Und vielleicht ist es sogar ein Wendepunkt.
Bali kämpft seit Jahren mit Overtourism, überlaufenen Hotspots, Umweltbelastungen und Bauprojekten, die aussehen, als seien sie genehmigt worden, während jemand sehr tief und sehr lange geschlafen hat.
Der Abriss des Lifts sendet eine klare Botschaft:
Nicht alles, was Tourist*innen praktisch finden, gehört in die Natur gebaut.
Manchmal muss der Mensch halt wieder Treppen steigen – oder überhaupt überlegen, ob jeder Strand für jeden erreichbar sein muss.