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Seltene Ernte in klirrender Kälte: Mitteldeutsche Winzer lesen Eiswein

Leo_65 (CC0), Pixabay

In mehreren mitteldeutschen Weinanbaugebieten hat in der Nacht zum Samstag eine der seltensten und anspruchsvollsten Lesearten der Branche stattgefunden: die Eisweinlese. Nur wenige Stunden lang herrschten die notwendigen Bedingungen, um die gefrorenen Trauben vom Stock zu holen – Temperaturen unter minus sieben Grad, idealerweise deutlich darunter.

Im thüringischen Weingut Bad Sulza wurden rund zweieinhalb Tonnen gefrorene Trauben eingebracht. Die Winzer hatten sich mitten in der Nacht bereitgehalten, um den richtigen Moment zu nutzen, denn schon wenige Zehntelgrade können über Qualität oder Verlust entscheiden.

Auch im Saale-Unstrut-Gebiet nutzte das Weingut Zahn das Kältefenster. Dort rechnet man mit etwa 100 Litern Eisweinausbeute – eine Menge, die die Kostbarkeit dieser Spezialität deutlich unterstreicht. Da beim Pressen nur der süß-konzentrierte Traubensaft austritt und der gefrorene Wasseranteil im Presskuchen zurückbleibt, fallen die Erntemengen traditionell gering aus.

Im sächsischen Elbtal meldete das Weingut Schloss Proschwitz eine erfolgreiche Riesling-Lese. Über 600 Kilogramm Trauben kamen zusammen, woraus voraussichtlich etwas mehr als 100 Flaschen entstehen werden. Für das traditionsreiche Haus ist es eine besondere Ernte, denn echte Eisweinjahre sind inzwischen selten geworden.

Der Klimawandel hat die Eisweinproduktion in Deutschland in den vergangenen Jahren stark erschwert. Strenge Frostnächte im Spätherbst oder frühen Winter treten immer seltener auf, weshalb viele Betriebe gar nicht erst auf Eiswein spekulieren oder nur kleine Flächen stehen lassen. Umso größer ist die Freude über jede gelungene Lese: Der konzentrierte Süßwein mit seiner intensiv fruchtigen Aromatik gilt unter Kennern als Kostbarkeit – und unter Winzern als Herausforderung, die nur mit Geduld, Glück und perfektem Timing gelingt.

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