Der Jahresabschluss 2024 des Windparks Spahnharrenstätte IV zeigt ein Projekt mit fortlaufendem, wirtschaftlich stabilem Betrieb, aber klaren strukturellen Schwächen: Die Anlagen verlieren wie erwartet an Wert, die Liquidität schwindet spürbar und die Kreditlast bleibt hoch. Das Eigenkapital ist konstant, aber im Verhältnis zur Gesamtbilanz weiterhin niedrig. Für Anleger ergibt sich ein Gesamtbild, das solide wirkt – jedoch wenig Spielraum für unerwartete Belastungen lässt.
1. Vermögenslage: Anlagenwert sinkt wie erwartet, aber keine Reinvestitionen sichtbar
Das Anlagevermögen sinkt von 6,58 Mio. € auf 5,84 Mio. € – ein Rückgang von rund 740.000 €.
Dieser Wertverzehr entspricht der linearen Abschreibung über 16 Jahre und zeigt:
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keine außerplanmäßigen Abschreibungen,
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keine Neuinvestitionen,
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ein normal alterndes Anlagenportfolio.
Mit zunehmendem Alter steigen bei Windparks jedoch Wartungsrisiken – hier entstehen künftig potenzielle Mehrkosten.
Die Finanzanlagen bleiben bei 1.800 €, also ohne Bedeutung für die Gesamtrisiken.
2. Umlaufvermögen: Forderungen steigen, Liquidität bricht deutlich ein
Auffällig sind zwei Entwicklungen:
(1) Forderungen wachsen – um 148.740 €
Von 649.168 € auf 797.908 €.
Dies spricht für:
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verschobene Einspeisevergütungen,
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konzerninterne Abrechnungsprozesse,
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oder spät eingegangene operative Zahlungen.
Die Forderungen sind erhöht, aber nicht besorgniserregend.
(2) Liquidität sinkt deutlich
Von 1.119.369 € auf 764.525 € → Rückgang um 354.844 €.
Dies ist ein relevanter Hinweis:
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Die Gesellschaft hat weniger Cash-Reserven als im Vorjahr.
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Wahrscheinlich wurden höhere Tilgungen oder steigende Betriebsaufwendungen finanziert.
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Für unvorhergesehene Reparaturen könnte der Liquiditätspuffer knapp werden.
Für Anleger erhöht niedrige Liquidität immer das operationelle Risiko.
3. Rechnungsabgrenzung nominal leicht rückläufig
Von 162.475 € auf 156.976 €, also minimaler Rückgang.
Dies sind überwiegend vorausbezahlte Aufwendungen (z. B. Versicherungen, Wartung).
Keine Auffälligkeiten.
4. Eigenkapital: Stabil, aber schwach im Verhältnis zur Bilanz
Das Eigenkapital beträgt weiterhin 680.000 €.
Damit liegt die Eigenkapitalquote bei:
9 % der Bilanzsumme (≈7,56 Mio. €)
Für Windparks ist dies typisch, aber klar im unteren Bereich.
Folgen:
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geringe Risikotragfähigkeit,
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hohe Abhängigkeit von stabilen Cashflows,
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keine Puffer für Kostensteigerungen oder Windschwäche.
5. Rückstellungen: Deutlicher Anstieg – Hinweis auf steigende Risiken
Die Rückstellungen steigen von 544.561 € auf 649.369 €, also um rund 104.808 €.
Das zeigt:
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höhere erwartete Kosten (Wartung, Reparaturen, Gutachten),
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Vorsorge für technische Risiken,
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mögliches Altern der Anlagen.
Der Anstieg ist realistisch und angemessen – aber er zeigt zugleich, dass der Aufwand steigt.
6. Verbindlichkeiten: Leichter Abbau, aber weiter dominierend
Die Verbindlichkeiten sinken von 7.284.291 € auf 6.230.381 €, also über 1 Mio. € Tilgung.
Das ist positiv.
Struktur der Verbindlichkeiten:
| Kategorie | 2024 | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kurzfristig (≤ 1 Jahr) | 1.321.327 € | operative Belastung hoch |
| Langfristig (> 1 Jahr) | 4.909.054 € | stabile Tilgungsstruktur |
| Davon gegenüber Gesellschaftern | 359.289 € | moderate Konzernabhängigkeit |
Trotz Tilgung bleibt:
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Der Windpark ist deutlich fremdfinanziert.
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Fast 82 % der Bilanzsumme sind Kredite.
Positiv:
Die langfristigen Kreditanteile wurden reduziert (2,868 Mio. € → 2,231 Mio. €), was den Kapitaldienst künftig entlastet.
7. Sicherheiten: Standard für Projektfinanzierung
Die Gesellschaft hat:
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umfassende Sicherheiten an Kreditinstitute vergeben,
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Pfandrechte hinterlegt (5,675 Mio. € gesichert).
Das ist üblich für Windparks – reduziert aber die Handlungsspielräume bei Finanzierungsthemen.
8. Beteiligungen: Kleiner Infrastrukturanteil, stabile Ertragslage
Die Gesellschaft hält 33,33 % an der Infrastruktur KG:
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Eigenkapital: 5.000 €
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Jahresergebnis: +6.000 €
Der Beteiligungsertrag ist klein, aber positiv und unproblematisch.
9. Sonstige Verpflichtungen: Keine ungewöhnlichen Risiken
Die Gesellschaft meldet keine außergewöhnlichen Verpflichtungen – positiv.
10. Gesamtbewertung aus Anlegersicht
Stärken
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verlässliche Tilgungsleistung
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keine außerordentlichen Abschreibungen
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stabile, nachvollziehbare Bilanzierung
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positive Beteiligungserträge
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geringer Konzernfinanzierungsanteil
Schwächen / Risiken
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Liquidität deutlich gesunken
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hohe Fremdfinanzierungsquote (~82 %)
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steigende Rückstellungen → höhere Betriebsrisiken
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alternde Anlagen ohne Reinvestitionen
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niedrige Eigenkapitalquote
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langfristige Kreditbindung
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geringerer Cashflow-Spielraum
Anlegerfazit
Der Windpark Spahnharrenstätte IV präsentiert sich als solide betriebenes, aber finanziell eng kalkuliertes Projekt. Die Bilanz zeigt Stabilität, doch:
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sinkende Liquidität,
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hohe Kreditlast
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und steigende Vorsorgerisiken
schmälern die Risikotragfähigkeit. Der Windpark bleibt auf ertragsstarke Windjahre angewiesen, um seine Verpflichtungen weiterhin problemlos zu bedienen.