Dark Mode Light Mode
Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA
„Wenn du gehst, bringe ich dich um“ – Warum Deutschland mehr tun muss, um Femizide wirksam zu verhindern
Ältester Cold Case Hamburgs: Polizei fasst mutmaßlichen Mörder nach 42 Jahren

„Wenn du gehst, bringe ich dich um“ – Warum Deutschland mehr tun muss, um Femizide wirksam zu verhindern

semprepiusu03 (CC0), Pixabay

Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland kein Randphänomen – sie ist ein tief verankertes strukturelles Problem. Das zeigt eine neue Studie zu „Femiziden in Deutschland“, die gestern veröffentlicht wurde und erneut erschütternde Zahlen und Zusammenhänge offenlegt. Ihre Ergebnisse machen deutlich: Die meisten Frauen werden nicht von Fremden, sondern von Männern getötet, mit denen sie in Beziehung standen – häufig im Kontext einer Trennung.

Rund 80 Prozent aller Femizide ereignen sich in genau diesen Situationen. Die Drohung „Wenn du gehst, bringe ich dich um“ ist für viele Frauen eine reale Gefahr – und oft ein Vorbote tödlicher Gewalt.

Betroffenenorganisationen: Staatliche Schutzmechanismen greifen nicht früh genug

Claudia Ignay vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) sieht ein zentrales Problem: Viele Frauen werden von Behörden nicht ernst genug genommen. Anzeigen und Warnsignale – etwa wiederholte Drohungen, Stalking oder massive Kontrolle – würden häufig zu spät oder zu oberflächlich bewertet.

„Oft wurde den Frauen nicht geglaubt. Staatliche Stellen haben ihre Hinweise auf konkrete Gefahr nicht ausreichend anerkannt“, sagt Ignay.
„Frauen haben klargemacht: Ich bin in Gefahr, meine Kinder sind in Gefahr. Aber erweiterte Schutzmaßnahmen wurden nicht eingeleitet.“

Die Folge: Die gefährlichste Zeit im Leben einer Betroffenen ist häufig der Moment, in dem sie sich trennen will.

Mögliche Konsequenz: Elektronische Aufenthaltsüberwachung

Ein Instrument, das künftig häufiger eingesetzt werden könnte, ist die sogenannte elektronische Fußfessel für hochgefährliche Täter. Sie soll verhindern, dass gewalttätige Partner sich ihren Opfern nähern können. Opferverbände fordern, dieses Instrument früher und konsequenter einzusetzen, insbesondere bei wiederholten Drohungen und Verstößen gegen Schutzanordnungen.

Gerichte und Ermittler sollen besser geschult werden

Die Studie kritisiert auch die Justiz. Noch immer werden Femizide häufig als „Beziehungsdrama“ oder „Verzweiflungstat“ eingestuft – und damit entpolitisiert.
Forscher und Beratungsstellen fordern daher:

  • Spezialisierte Schulungen für Richter und Staatsanwälte, um geschlechtsspezifische Gewalt als solche zu erkennen.

  • Einheitliche Kriterien, um Femizide in der Rechtsprechung klar zu benennen.

  • Strengere Gefährdungsanalysen, um frühzeitig staatlichen Schutz einzuleiten.

Nur so könne verhindert werden, dass gefährliche Täter unterschätzt werden – mit oft fatalen Folgen.

Prävention muss deutlich früher beginnen

Expertinnen betonen, dass Prävention nicht erst ansetzen darf, wenn Gewalt bereits eskaliert. Vielmehr brauche es Programme, die bereits im Kindesalter ansetzen – etwa:

  • Vermittlung von gleichberechtigten Rollenvorstellungen

  • Förderung von Konfliktlösungen ohne Gewalt

  • Schutzkonzepte an Schulen

  • Sensibilisierung von Jungen für Grenzen und Respekt

Kinder, die Gewalt zu Hause erleben, seien später überdurchschnittlich häufig selbst Täter oder Opfer. Prävention müsse daher als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.

Betroffene brauchen sofortige Hilfe – und die Gesellschaft mehr Bewusstsein

Für Frauen in Gefahr bleibt schnelle Hilfe entscheidend. Betroffene können sich jederzeit an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden (116 016), an Beratungsstellen wie den WEISSEN RING oder an die Polizei unter 110.

Doch Betroffenenorganisationen machen klar: Hilfe am Nottelefon reicht nicht. Deutschland brauche ein konsequentes Zusammenspiel aus Recht, Strafverfolgung, Prävention und gesellschaftlichem Bewusstsein – sonst bleibt die Zahl der Femizide hoch.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA

Next Post

Ältester Cold Case Hamburgs: Polizei fasst mutmaßlichen Mörder nach 42 Jahren