Immer mehr Berufstätige in Deutschland setzen bei ihrer Altersvorsorge auf den Kapitalmarkt. Laut einer neuen Umfrage des Versicherers HDI ist der Anteil derjenigen, die Aktien und Fonds als verlässlichen Baustein für die Rente ansehen, in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen – von 19 Prozent auf inzwischen 28 Prozent.
Diese Entwicklung gilt als deutliches Signal: Trotz globaler Krisen, hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit wächst die Bereitschaft, Geld langfristig in den Aktienmarkt zu investieren.
Immobilie bleibt Traum Nummer eins – trotz hoher Zinsen
Auch wenn Aktien beliebter werden, bleibt die eigene Immobilie der unangefochtene Favorit, wenn es um Sicherheit und Altersvorsorge geht. Sie gilt für die meisten nach wie vor als greifbare, beständige und inflationssichere Anlage – auch wenn steigende Baukosten und hohe Zinsen die Realisierung eines Eigenheims zunehmend erschweren.
Aktien schaffen es in der Gunst der Befragten immerhin auf Platz zwei – knapp vor klassischen Lebens- und Rentenversicherungen.
Warum Aktien beliebter werden – trotz Unsicherheit
Der stärkere Zuspruch hat mehrere Gründe:
-
Renditeerwartung:
6 von 10 Befragten glauben, dass Aktien langfristig höhere Erträge bringen als Sparbücher, Tagesgeld oder klassische Versicherungen. -
ETF-Boom und Digitalisierung:
Dank Online-Brokern, Apps und kostengünstigen ETFs sind Aktienanlagen heute so einfach wie nie zuvor. -
Erfahrung aus der Niedrigzinsphase:
Viele haben in den vergangenen Jahren erlebt, dass Zinsen kaum noch Vermögen aufbauen – und dass Inflation Sparguthaben entwerten kann.
Gleichzeitig bleibt die Risikoscheu groß:
Mehr als ein Drittel hält Aktien nach wie vor für „zu unsicher“ oder „zu undurchsichtig“. Diese Haltung verweist auf ein strukturelles Problem: Es fehlt weiterhin an finanzieller Bildung.
Deutschland und die Aktien – eine komplizierte Beziehung
Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland ein Land mit sehr niedriger Aktienquote. Während in Ländern wie Schweden oder den USA Millionen Bürger selbstverständlich in Wertpapiere investieren, sehen viele Deutsche den Kapitalmarkt noch immer als Spekulationsmaschine – ein Image, das durch Krisen, Skandale und fehlende Bildungsangebote verstärkt wurde.
Dennoch zeigt der aktuelle Trend: Die Einstellung beginnt sich zu ändern.
Jüngere Menschen treiben den Wandel
Besonders unter jüngeren Berufstätigen wächst die Bereitschaft, regelmäßig Geld in ETFs und Aktienfonds zu stecken. Sie nutzen digitale Broker, kümmern sich früher um ihre Finanzen und haben nicht selten schlechte Erfahrungen mit klassischen Versicherungsverträgen oder Riester-Produkten gemacht.
Die HDI-Studie zeigt auch:
Junge Menschen sind aufgeschlossener, aber gleichzeitig von Zukunftsängsten geprägt. Sie rechnen weniger mit einer ausreichenden gesetzlichen Rente – und investieren deshalb eigenständig.
Fazit: Ein vorsichtiger, aber klarer Paradigmenwechsel
Deutschland bleibt ein Land der Sicherheitsliebhaber – doch die Zeiten ändern sich. Der Vertrauensverlust in klassische Vorsorgeformen, die Digitalisierung der Finanzwelt und die anhaltende Inflationsdebatte haben ihren Teil dazu beigetragen, dass Aktien heute nicht mehr nur als riskante Spekulation gelten.
Der Weg zur echten Aktienkultur ist allerdings noch weit.
Viele Menschen fühlen sich überfordert, schlecht informiert oder fürchten Verluste.
Doch eines zeigt die Studie deutlich:
Immer mehr Berufstätige erkennen, dass ohne Kapitalmarkt langfristig kaum Vermögensaufbau möglich ist.