Der neue UNEP-Bericht zeigt drastisch, wie groß die Kluft zwischen Versprechen und Realität weiterhin ist. Methan gilt als einer der schnellsten Hebel im Kampf gegen die Erderhitzung – doch die Staaten, die 2021 in Glasgow ehrgeizige Ziele beschlossen, treten in Wahrheit auf der Stelle.
Auf der Weltklimakonferenz in Belém wurde die Bilanz vorgestellt – und sie fällt ernüchternd aus.
Versprochen waren 30 Prozent – geliefert werden acht
Der Global Methane Pledge sollte ein Meilenstein werden: Innerhalb von zehn Jahren sollte die Welt den Methanausstoß um 30 Prozent senken. Ein Ziel, das realistisch schien – und dessen Erreichen enorme Wirkung hätte. Denn Methan ist zwar kurzlebig, dafür aber mehr als 80-mal klimaschädlicher als CO₂. Schon kleine Reduktionen könnten die Erderwärmung spürbar abbremsen.
Doch UNEP zeigt nun:
Selbst die optimistischsten Klimapläne schaffen nur einen Rückgang von etwa acht Prozent.
Ein Rekordwert – aber eben ein Rekord aus einer Zeit, in der „Rekord“ schon bedeutet: zu wenig, zu spät.
Das Problem ist nicht technischer Natur – sondern politischer Willenlosigkeit
UNEP macht unmissverständlich klar:
Über 80 Prozent der notwendigen Methanreduktionen sind kostengünstig und technisch längst möglich.
Sie scheitern nicht an fehlenden Technologien, sondern an politischen Prioritäten – oder am Fehlen solcher.
Besonders im Fokus steht der Energiesektor: Alte Leitungen, undichte Förderung, veraltete Anlagen. Öl- und Gasunternehmen könnten mit geringem Aufwand erhebliche Mengen Methan stoppen – tun es aber nicht, weil es teuer ist oder Investitionen erfordert, die kurzfristig keinen Gewinn bringen.
Landwirtschaft und Abfall: Potenziale vorhanden, aber kaum ausgeschöpft
Auch Reisfelder, Viehhaltung und Mülldeponien könnten Methan reduzieren, wenn sie modernisiert oder anders bewirtschaftet würden.
Doch vielerorts fehlen dazu Anreize, Geld – oder schlicht politischer Druck.
Dass UNEP sogar Müllkippen als mögliches Klimaschutzinstrument hervorhebt, zeigt, wie viel ungenutztes Potenzial der Welt aktuell entgeht.
Ironie des Klimaschutzes: Methan bietet die schnellste Wirkung – und bekommt die wenigste Aufmerksamkeit
Während Staaten um milliardenschwere CO₂-Strategien ringen, bleibt der naheliegendste kurzfristige Hebel fast unangetastet. Methan baut sich innerhalb von zwölf Jahren ab – jede eingesparte Tonne hat sofortige Wirkung. Genau deshalb war der Global Methane Pledge so bedeutend.
Doch statt politischer Dynamik gibt es:
– weiche Absichtserklärungen,
– fehlende Umsetzung,
– und Länder, die zwar applaudieren, aber zu Hause kaum handeln.
Ein Klimaziel, das zu entgleiten droht
Die UNEP-Botschaft ist klar:
Wenn die Welt das Methanziel weiter so ignoriert, wird das 2030-Ziel krachend verfehlt.
Damit droht ein Dominoeffekt: Ohne die schnelle Wirkung der Methanreduktion wird es noch schwieriger, die globale Erwärmung unter den kritischen Markierungen zu halten.