Im Wattenmeer und auf Helgoland sorgt eine neue Bestandsaufnahme der Seehunde für Stirnrunzeln unter Fachleuten: Während die Gesamtzahl der Tiere langfristig sinkt, wurde gleichzeitig eine ungewöhnlich hohe Zahl an Jungtieren registriert. Das geht aus dem aktuellen Bericht „Zählungen der Seehunde im Wattenmeer 2025“ hervor.
Wie passt das zusammen? Hauptautor Anders Galatius sieht zwei mögliche Erklärungen. Zum einen könnten deutlich weniger Jungtiere das Erwachsenenalter erreichen – etwa durch Krankheiten, mangelnde Nahrung oder veränderte Umweltbedingungen. Zum anderen sei denkbar, dass sich während der Zählflüge weniger ausgewachsene Tiere auf den Sandbänken aufgehalten hätten und dadurch in der Statistik unterrepräsentiert sind.
Beides würde bedeuten: Die reine Zahl der Neugeborenen sagt wenig darüber aus, wie stabil eine Population wirklich ist. Für die Wissenschaft bleibt das Wattenmeer damit ein ökologisches Warnsignal und ein Forschungsrätsel zugleich.