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Supermärkte rüsten auf: Selbst Gulasch und Lachs werden jetzt gegen Diebstahl gesichert

igorovsyannykov (CC0), Pixabay

Was früher nur bei Rasierklingen, Parfüm oder Markenkaffee zu sehen war, trifft nun die Kühltheke: Immer mehr Supermärkte versehen auch frische Lebensmittel wie Fleisch und Fisch mit Diebstahlsicherungen. Besonders in mehreren Berliner Filialen eines großen Discounters sorgen die Aufkleber derzeit für Verwunderung – und Diskussionen.

Wer dieser Tage durch die Kühlregale schlendert, entdeckt gelbe Etiketten mit Warnhinweis und Vorhängeschloss-Symbol. „Gesicherter Artikel – Etikett vor dem Erhitzen entfernen“ steht darauf. Während Kaffeeprodukte schon seit längerem als besonders diebstahlgefährdet gelten, trifft es nun auch Rinderfilet, Entrecôte, Gulasch oder norwegisches Lachsfilet. Selbst Sushi und Doraden tragen inzwischen die unscheinbaren, aber wirksamen Marker.

Vom Luxusprodukt zum gesicherten Alltagsartikel

In einer Filiale im Berliner Prenzlauer Berg kleben die Sicherungsaufkleber bereits flächendeckend auf Fleischverpackungen, berichtet ein Mitarbeiter. Der Preis für 400 Gramm Rindergulasch: knapp acht Euro – und trotzdem offenbar die Mühe wert, zusätzlich geschützt zu werden. Auch in anderen Bezirken zeigt sich ein ähnliches Bild.

Der Grund dafür ist simpel und doch brisant: Die Einzelhändler kämpfen mit massiv steigenden Diebstahlszahlen. Viele Filialen berichten, dass Diebe nicht mehr nur Kaffee oder Spirituosen mitgehen lassen, sondern zunehmend auch gekühlte und hochwertige Lebensmittel – ein Trend, der bereits seit der Inflation deutlich zugenommen hat.

Wie die Sicherungen funktionieren

Die kleinen gelben Etiketten sind sogenannte RF-Tags, also Radiofrequenz-Sensoren. Sie enthalten eine feine Metallbacker-Spule, die an den Sicherheitsanlagen im Kassenbereich einen Alarm auslöst, wenn sie nicht ordnungsgemäß deaktiviert wurde. An der Kasse werden die Etiketten durch einen starken elektromagnetischen Impuls „entschärft“, bevor der Kunde das Geschäft verlässt.

Die Technik ist längst Standard – aber dass sie nun auch auf Gulaschpackungen und Lachsfilets klebt, zeigt, wie ernst die Lage geworden ist.

Wachsende Schäden durch organisierte Diebstähle

Der Handel spricht schon seit Jahren von einer dramatischen Entwicklung. Die Zahl der angezeigten Ladendiebstähle liegt im hohen sechsstelligen Bereich – doch Experten betonen, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Branchenanalysen rechnen mit rund 100.000 unentdeckten Diebstählen pro Tag in Deutschland.

Besonders alarmierend: Nicht nur „Gelegenheitsdiebe“ schlagen zu. Zunehmend agieren professionelle Banden, die gezielt teure Ware im großen Stil abgreifen. Laut Handelsforschungsinstituten belaufen sich die Verluste durch Kundendiebstähle auf mehrere Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen Schäden durch eigene Mitarbeiter oder Lieferanten, die ebenfalls zur Statistik beitragen.

Diskrete Antworten – aber klare Tendenz

Auf Nachfrage bestätigen Handelsketten, dass solche Sicherungen mittlerweile „branchenüblich“ seien. Konkrete Angaben, welche Produkte als besonders gefährdet gelten oder wo die Diebstahlszahlen am stärksten steigen, vermeiden die Unternehmen aus Sicherheitsgründen.

Doch ein Blick in die Regale reicht aus: Wenn sogar Gulasch und Lachsfilet Schutzmaßnahmen erhalten, ist klar, dass der Handel die Lage als sehr ernst einschätzt – und sich auf weitere Eskalationen vorbereitet.

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