Zypern ist am Donnerstag gleich zweimal von heftigen Erdbeben getroffen worden, die auf der gesamten Insel für Angst und Chaos sorgten. Das erste Beben ereignete sich am Vormittag gegen 10 Uhr Ortszeit mit einer Stärke von 5,3 auf der Richterskala, das zweite folgte am Nachmittag und lag laut ersten Messungen ebenfalls über der Stärke 5. Das Epizentrum beider Beben befand sich etwa 25 Kilometer nordöstlich der Stadt Paphos, einem touristischen Hotspot an der Westküste.
Menschen fliehen ins Freie – Evakuierungen in Schulen und Behörden
In mehreren Städten, darunter Paphos, Limassol und Nikosia, rannten verängstigte Menschen auf die Straßen, als die Gebäude zu beben begannen. Augenzeugen berichteten von herabfallenden Deckenplatten, platzenden Fensterscheiben und wackelnden Strommasten. Schulen wurden vorsorglich evakuiert, Unterricht und Verwaltungsbetrieb vielerorts unterbrochen.
„Es fühlte sich an, als würde der Boden vibrieren, dann kam ein lautes Grollen – wir sind alle rausgerannt“, schilderte eine Anwohnerin aus Paphos gegenüber lokalen Medien. Auch in mehreren Hotels an der Küste verließen Gäste fluchtartig ihre Zimmer.
Erschütterungen bis in Nachbarländer spürbar
Die seismischen Wellen reichten weit über die Insel hinaus. Nach Angaben internationaler Messstationen war das Beben in Teilen der Türkei, Israels und des Libanon deutlich zu spüren. In der südlichen Türkei berichteten Bewohner der Provinz Hatay von wackelnden Möbeln und vibrierenden Fenstern, Verletzte wurden dort jedoch nicht gemeldet.
Leichte Gebäudeschäden und Stromausfälle
Auf Zypern selbst hielten sich die Schäden bislang in Grenzen, doch ältere Gebäude – vor allem im historischen Zentrum von Paphos und kleineren Dörfern – weisen Risse und Mauerschäden auf. Kurzzeitig kam es zu Stromausfällen und unterbrochenen Telefonverbindungen. Die Behörden prüfen derzeit, ob das Stromnetz oder Wasserleitungen beschädigt wurden.
Die zyprische Zivilschutzbehörde aktivierte sofort Notfallpläne: Ingenieure und Feuerwehrteams sind im Westen der Insel unterwegs, um Gebäude auf ihre Statik und Sicherheit zu überprüfen. Auch das Militär steht in Bereitschaft, sollte es zu weiteren Nachbeben oder Gebäudeeinstürzen kommen.
Experten warnen vor weiteren Nachbeben
Nach Angaben des Zyprischen Erdbebenzentrums sind bereits mehrere Nachbeben registriert worden. „Es ist durchaus möglich, dass in den kommenden Tagen weitere Beben auftreten“, sagte Seismologe Andreas Savvides in Nikosia. Die Stärke der Hauptbeben liege im „mittleren bis oberen Bereich“, was sie deutlich spürbar, aber noch nicht katastrophal mache.
Zypern liegt auf der Grenzregion zwischen der Afrikanischen und der Eurasischen Platte, einer der geologisch aktivsten Zonen des Mittelmeers. Bereits in den vergangenen Jahren kam es dort immer wieder zu moderaten Erdstößen, meist ohne größere Schäden.
Regierung lobt schnelles Handeln – Tourismus bleibt wachsam
Die zyprische Regierung sprach den Einsatzkräften Anerkennung aus. Innenministerin Marina Chari sagte, die Evakuierungen seien geordnet verlaufen, was Schlimmeres verhindert habe. Sie betonte zugleich, dass der Tourismusbetrieb auf der Insel nicht gefährdet sei. Viele Hotels hätten ihre Notfallpläne professionell umgesetzt.
Dennoch herrscht bei Touristen Unsicherheit. Mehrere Reiseveranstalter kündigten an, ihre Gäste in den kommenden Tagen eng zu betreuen und mit Informationen zu versorgen.
Fazit
Die beiden Erdbeben haben Zypern heftig erschüttert, aber keine Katastrophe ausgelöst. Die Bevölkerung kam mit dem Schrecken davon – auch dank der schnellen und besonnenen Reaktion der Behörden. Experten sehen in den Beben jedoch eine deutliche Erinnerung daran, dass Zypern in einer hochaktiven Erdbebenzone liegt – und jederzeit mit weiteren Erdstößen gerechnet werden muss.