Die Europäische Kommission will gegen den massenhaften Import billiger Onlinebestellungen aus Asien vorgehen. In einem Schreiben an die Finanzminister der EU-Mitgliedstaaten fordert EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, dass künftig eine Bearbeitungsgebühr auf Bestellungen bei Plattformen wie Temu, Shein oder Wish eingeführt wird. Damit soll die EU den wachsenden Zustrom extrem günstiger Kleinsendungen bremsen – und zugleich ein Zeichen für faireren Wettbewerb setzen.
Ende der Zollfreiheit für Billigware unter 150 Euro
Bisher genießen Onlinebestellungen aus Nicht-EU-Staaten einen erheblichen Vorteil: Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro sind für Privatkunden zollfrei. Diese Regelung nutzen Plattformen wie Temu oder Shein, um Kleidung, Elektronik oder Dekoartikel aus China zu Minimalpreisen direkt an europäische Verbraucher zu liefern – meist mit Versandkosten von wenigen Cent.
Doch damit soll bald Schluss sein. Laut Šefčovič plant die EU-Kommission, diese Ausnahmeregel abzuschaffen und eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Paket einzuführen. Die Gebühr soll unabhängig vom Warenwert gelten und sowohl die Zollbehörden entlasten als auch die Kosten für die Kontrolle von Massensendungen abdecken.
Hintergrund: Milliardenflut an Mini-Paketen
Der Onlinehandel mit asiatischen Plattformen hat in den letzten Jahren explosionsartig zugenommen. Schätzungen zufolge erreichen täglich Millionen von Kleinsendungen aus China die EU. Viele davon werden unterfakturiert, um unter der Zollfreigrenze zu bleiben – teilweise mit bewusst falschen Warenwerten.
Laut der EU-Kommission unterläuft das System dadurch die europäische Steuerpolitik und benachteiligt heimische Händler, die ihre Produkte regulär versteuern und verzollen müssen. Auch Umweltaspekte spielen eine Rolle: Der Transport unzähliger Billigpakete mit niedrigen Preisen, aber hohem CO₂-Ausstoß, wird zunehmend kritisch gesehen.
EU will faire Wettbewerbsbedingungen schaffen
„Es ist an der Zeit, dass europäische Unternehmen wieder unter gleichen Wettbewerbsbedingungen agieren“, heißt es in dem Schreiben Šefčovičs. Die geplante Gebühr sei ein erster Schritt, um die EU-Position im globalen Handel zu stärken und den Missbrauch durch Preisdumping und Steuerumgehung einzudämmen.
Die Kommission argumentiert zudem, dass Post- und Zollbehörden der EU-Staaten bislang auf den Kosten der Bearbeitung und Sicherheitskontrolle von Kleinsendungen sitzen bleiben. Die geplante Gebühr soll diese Ausgaben künftig abfedern.
Kritik und offene Fragen
Widerstand gegen die Pläne dürfte dennoch kommen: Verbraucherschützer warnen, dass die Maßnahme vor allem kleine Käufer treffen könnte, während große Onlinehändler Wege fänden, die Gebühren an Kunden weiterzugeben oder zu umgehen. Zudem ist unklar, wie die Gebühr technisch und administrativ umgesetzt werden soll – insbesondere bei Bestellungen über internationale Plattformen mit komplexen Lieferketten.
Fazit: Europa zieht die Zügel an
Mit der geplanten Paketgebühr will die EU ein deutliches Signal setzen: Der grenzenlose Onlinehandel zum Schleuderpreis soll nicht länger zulasten europäischer Händler, Verbraucher und Umwelt gehen. Ob die zwei Euro pro Paket tatsächlich den erhofften Effekt bringen oder nur eine symbolische Hürde darstellen, bleibt abzuwarten – fest steht jedoch: Der bequeme Billigkauf aus Fernost wird bald teurer.