Im Kieler Stadtteil Wik ist am Dienstagmorgen eine 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Der Fund löste einen umfangreichen Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst aus. Rund 700 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, während Spezialisten versuchen, den gefährlichen Blindgänger unschädlich zu machen.
Heikle Entschärfung auf der Schleuseninsel
Die Bombe war bei Sondierungsarbeiten auf der Schleuseninsel entdeckt worden – einem Gebiet, das regelmäßig überprüft wird, da hier während des Zweiten Weltkriegs schwere Angriffe stattfanden. Nach Angaben der Polizei ist der Bombenkörper beschädigt, und der Aufschlagzünder im vorderen Teil gilt als besonders sensibel.
„Wir gehen hier mit äußerster Vorsicht vor. Eine Beschädigung in Verbindung mit einem intakten Zünder bedeutet ein erhöhtes Risiko“, sagte ein Sprecher des Kampfmittelräumdienstes. Der Bereich wurde umgehend großräumig abgesperrt, der Evakuierungsradius umfasst mehrere Straßenzüge rund um die Schleuseninsel.
Evakuierung abgeschlossen – 700 Menschen in Sicherheit
Die Stadt Kiel hatte die Bevölkerung am frühen Morgen über Warn-Apps, Handzettel und Lautsprecherdurchsagen informiert. Bis 10 Uhr sollten alle Betroffenen ihre Wohnungen verlassen haben. Erst gegen 10:40 Uhr meldete die Polizei, dass der gesamte Evakuierungsbereich vollständig geräumt sei.
Für alle, die nicht bei Freunden oder Familie unterkommen konnten, wurde eine Notunterkunft in der Kastanienallee 18 in Kiel-Holtenau eingerichtet. Sie steht seit 8 Uhr bereit und wird von Einsatzkräften betreut. Wer Unterstützung beim Verlassen seiner Wohnung benötigt, kann sich weiterhin unter (0431) 590 55 55 an die Berufsfeuerwehr Kiel wenden.
Verkehrschaos rund um Kiel-Wik
Rund um den Stadtteil kommt es zu deutlichen Verkehrseinschränkungen. Mehrere Straßen wurden gesperrt, darunter wichtige Verbindungen in Richtung Schleusenanlage. Autofahrer werden gebeten, das Gebiet großräumig zu umfahren. Auch der öffentliche Nahverkehr ist betroffen – Buslinien wurden umgeleitet oder vorübergehend eingestellt.
Schifffahrt unterbrochen – Fähre fährt weiter
Auch auf dem Wasser mussten Maßnahmen getroffen werden. Während der Entschärfung ist die Schleuse für die Schifffahrt komplett gesperrt, um jede Erschütterung oder unkontrollierte Bewegung in der Nähe der Fundstelle zu vermeiden. Lediglich die Personenfähre Kiel-Holtenau darf den Betrieb aufrechterhalten, da ihre Route außerhalb des Gefahrenbereichs liegt.
Stadt bittet um Geduld – Dauer des Einsatzes unklar
Wie lange die Entschärfung dauern wird, ist derzeit nicht absehbar. Der Kampfmittelräumdienst arbeitet Schritt für Schritt und überprüft jede Bewegung des Sprengkörpers mit großer Vorsicht.
„Sicherheit steht über allem. Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist, um die Bombe ohne Risiko zu entschärfen“, betonte ein Sprecher des Einsatzteams.
Die Stadt Kiel bittet alle Evakuierten, Geduld zu bewahren und den Anweisungen von Polizei und Feuerwehr zu folgen. Erst nach Abschluss der Arbeiten und einer finalen Sicherheitsprüfung dürfen die Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
Hintergrund: Kieler Bombenfunde keine Seltenheit
In Kiel werden immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Als ehemalige Marine- und Rüstungsstadt war die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins häufig Ziel alliierter Luftangriffe. Insbesondere im Bereich des Hafens und der Schleusenanlagen werden bei Bau- oder Sondierungsarbeiten regelmäßig Sprengkörper gefunden.
Im Jahr 2024 mussten in Kiel gleich mehrere Stadtteile wegen Bombenfunden evakuiert werden – der aktuelle Fund in der Wik ist also kein Einzelfall, erinnert aber eindrucksvoll daran, dass die Folgen des Krieges bis heute nachwirken.