In Sachsen-Anhalt könnten mehrere Straßenbauunternehmen in einen handfesten Kartellskandal verwickelt sein. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT sollen die beteiligten Firmen illegal Preise abgesprochen und damit über Jahre öffentliche Ausschreibungen manipuliert haben. Jetzt prüfen die Behörden und Auftraggeber mögliche Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe.
💰 Verdacht auf illegale Preisabsprachen
Laut MDR-Informationen sollen die betroffenen Unternehmen über einen längeren Zeitraum hinweg Baupreise untereinander abgestimmt haben – insbesondere bei Ausschreibungen für Landes- und Kommunalstraßen. Dadurch könnten Städte, Gemeinden und das Land massiv überhöhte Rechnungen bezahlt haben.
Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bestätigte, dass man von den Vorwürfen wisse und diese „sehr ernst nehme“. Es gehe nun darum, die vertraglichen Unterlagen und Vergabeprozesse detailliert zu prüfen.
🏗️ Schadenersatz in Millionenhöhe möglich
Sollten sich die Preisabsprachen bestätigen, drohen den beteiligten Firmen erhebliche finanzielle Konsequenzen.
Juristisch wäre eine Rückforderung der zu viel gezahlten Beträge möglich – Experten gehen von einem Gesamtschaden in Millionenhöhe aus.
„Öffentliche Auftraggeber sind verpflichtet, den Schaden zu beziffern und gegebenenfalls zivilrechtliche Schritte einzuleiten“, erklärt ein Sprecher des Landesrechnungshofs.
Für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler wäre das ein bitteres Signal: Gelder, die für Straßen, Brücken und Infrastruktur gedacht waren, könnten jahrelang zweckentfremdet worden sein.
⚖️ Mögliche Ermittlungen des Bundeskartellamts
Das Bundeskartellamt könnte sich ebenfalls einschalten. Preisabsprachen gelten als schwerer Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht und können nicht nur Bußgelder in Millionenhöhe, sondern auch Strafverfahren gegen Verantwortliche nach sich ziehen.
Ein Sprecher der Behörde wollte den Vorgang auf MDR-Anfrage weder bestätigen noch dementieren, verwies jedoch auf „laufende Auswertungen im Baugewerbe“.
🚧 Vertrauen in Vergabeverfahren erschüttert
Die Enthüllung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die öffentlichen Baukosten in Sachsen-Anhalt ohnehin stark steigen – nicht nur wegen höherer Materialpreise, sondern auch wegen wachsender Bürokratie und Fachkräftemangel.
Ein möglicher Preisabsprachen-Skandal könnte nun zusätzlich das Vertrauen in die Transparenz staatlicher Vergaben erschüttern.
Ein Kommunalvertreter aus dem Harz sagte dem MDR anonym:
„Wenn sich bestätigt, dass Firmen ihre Preise abgesprochen haben, ist das ein Schlag ins Gesicht für alle ehrlichen Betriebe, die sich an die Regeln halten.“
🧩 Hintergrund: Baukartelle in Deutschland
Illegale Preisabsprachen im Bauwesen sind kein Einzelfall. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Bundeskartellamt mehrere Kartelle aufgedeckt – etwa im Asphalt- und Bitumenbau, wo Unternehmen Strafen in dreistelliger Millionenhöhe zahlen mussten.
Die aktuelle Untersuchung in Sachsen-Anhalt zeigt, dass das Problem offenbar nicht ausgestanden ist.
🕵️♂️ Fazit
Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen – doch der Verdacht wiegt schwer. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das einer der größten Baukorruptionsfälle in Sachsen-Anhalt seit Jahren.
Für die betroffenen Firmen steht nicht nur viel Geld, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.