Der Deutsche Hebammenverband (DHV) warnt vor einem drohenden Exodus freiberuflicher Hebammen in Deutschland. Grund ist der seit heute in Kraft getretene neue Hebammenhilfevertrag, der bundesweit die Vergütung und Arbeitsbedingungen für freiberuflich tätige Hebammen regelt. Nach Einschätzung des Verbandes drohen durch die neue Gebührenordnung massive Einkommenseinbußen – mit weitreichenden Folgen für die Geburtshilfe im Land.
„Viele Hebammen werden sich ihre Arbeit unter diesen Bedingungen nicht mehr leisten können“, sagte eine Sprecherin des Verbandes den Funke-Medien. Nach internen Berechnungen könnten die neuen Regelungen zu Verdiensteinbußen von bis zu 30 Prozent führen. Besonders betroffen seien Hebammen, die Hausgeburten, Wochenbettbetreuung oder Rufbereitschaft anbieten. „Damit wird vielen Kolleginnen die Existenzgrundlage entzogen“, so die Sprecherin.
Die Sorge ist groß, dass sich die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärft. Schon jetzt berichten viele Frauen von Problemen, eine Hebamme für die Betreuung vor und nach der Geburt zu finden. In ländlichen Regionen ist die Situation besonders kritisch: Teilweise müssen Schwangere mehrere Wochen auf Termine warten oder weite Wege auf sich nehmen.
Der DHV befürchtet, dass durch den neuen Vertrag zahlreiche Hebammen ihre Tätigkeit aufgeben oder in andere Berufsfelder wechseln. „Wenn die Politik nicht rasch nachsteuert, drohen Versorgungslücken in der Geburtshilfe, die Frauen und Familien unmittelbar treffen werden“, warnte der Verband.
Der Hebammenhilfevertrag wurde zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Hebammenverbänden verhandelt und soll laut Krankenkassen eine „modernisierte und einheitliche Grundlage“ für die Vergütung schaffen. Ziel sei es, den Beruf attraktiver und die Abrechnung transparenter zu machen. Doch der DHV kritisiert, dass viele Leistungen in der Praxis nicht kostendeckend seien – etwa für Hausbesuche, Notfallbetreuung oder Rufbereitschaftsdienste.
Die Debatte über den Hebammenmangel ist nicht neu, gewinnt mit dem neuen Vertrag jedoch an Brisanz. Schon seit Jahren klagen Hebammen über hohe Bürokratie, steigende Haftpflichtbeiträge und fehlende Planungssicherheit. Nun könnte sich der Trend verstärken – zum Nachteil all jener, die auf eine individuelle und wohnortnahe Betreuung angewiesen sind.
„Eine gute Geburtshilfe braucht Zeit, Erfahrung und finanzielle Stabilität“, heißt es aus dem DHV. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, verlieren wir ein Stück menschlicher Fürsorge, das durch keine Technik ersetzt werden kann.“