Anthony Hopkins, einer der profiliertesten Schauspieler seiner Generation, blickt auf eine Karriere voller Auszeichnungen und ikonischer Rollen zurück. Doch in einem bislang weniger beachteten Kapitel seines Lebens erzählt der gebürtige Waliser nun offen von einem Wendepunkt, der ihn existenziell veränderte: einem Blackout in der Silvesternacht 1975, der ihm vor Augen führte, wie nahe er sich und andere dem Tod gebracht hatte — und der ihn schließlich zur Abstinenz führte.
Am 29. Dezember 1975 erlebte Hopkins nach eigenen Angaben einen lebensgefährlichen Moment. Er war betrunken unterwegs, erinnerte sich später in einem Gespräch mit dem „New York Times“-Podcast „The Interview“, und wusste nicht, wohin er fuhr. In dieser vermeintlich banalen Autofahrt sah er plötzlich die Möglichkeit, eine Familie zu verletzen oder zu töten — ein Gedanke, der für ihn alles veränderte. Er beschreibt, wie er auf seine Armbanduhr schaute, es war 23 Uhr, und eine innere Stimme zu ihm sprach: „Es ist vorbei. Jetzt kannst du anfangen zu leben.“ Dieser Augenblick tiefer Klarheit nahm ihm das Verlangen nach Alkohol.
Hopkins’ Wende war radikal und konsequent. Er suchte Anschluss bei Menschen mit ähnlichen Problemen und schloss sich den Anonymen Alkoholikern an, wo er nach eigenen Worten das Zwölf-Schritte-Programm durchlief und seitdem abstinent blieb. In wenigen Monaten wird der heute 87-Jährige einen halben Jahrhunderttag ohne Alkohol erreichen — ein Meilenstein, den er mit nüchterner Dankbarkeit betrachtet. „Seitdem bin ich nüchtern. Und ich habe in diesen fast 50 Jahren mehr Spaß gehabt als je zuvor“, sagt Hopkins und verleiht damit seiner Entscheidung zugleich Bescheidenheit und Stärke.
Die Einsicht, die Hopkins damals traf, ist auch eine Geschichte über Verletzlichkeit hinter dem Ruhm. Er erinnert sich an eine Kindheit, die von Einsamkeit und Mobbing geprägt war, und an ein Umfeld in der Schauspielszene, in dem exzessives Trinken lange als Teil der Kultur galt. Namen wie Peter O’Toole oder Richard Burton stehen für eine Ära, in der Alkohol zur Selbstinszenierung gehörte — und zugleich viele Karrieren und Leben zerstörte. Hopkins gesteht, dass der Alkohol ihm einst ein Gefühl von Größe gegeben habe; was ihm heute bleibt, ist die Dankbarkeit dafür, noch am Leben zu sein, während viele seiner damaligen Trinkgefährten bereits gestorben sind.
Seine Offenheit ist mehr als ein persönliches Geständnis; sie ist ein Appell. Hopkins’ Schilderung macht deutlich, wie schnell private Sorglosigkeit in öffentliches Risiko umschlagen kann, und wie wichtig rechtzeitige Hilfe und Selbstreflexion sind. Die Tatsache, dass ein Moment der inneren Klarheit ausreicht, um einen Lebensweg nachhaltig zu verändern, gibt zugleich Hoffnung: Veränderung ist möglich, selbst wenn jahrelange Gewohnheiten und Selbstbilder dagegen sprechen.
Heute steht Anthony Hopkins nicht mehr nur für seine Schauspielkunst, sondern auch für die stille, oft unspektakuläre Arbeit der Selbstrettung. Sein Bekenntnis zur Abstinenz und die Schilderung jener Nacht 1975 erinnern daran, dass hinter großen Karrieren oft persönliche Kämpfe liegen — und dass die Bewältigung dieser Kämpfe zu den bedeutendsten Leistungen eines Lebens zählen kann.