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„Kleingeld-Krise in den USA: Pennys gehen aus – Händler fordern Gesetz zur Preisrundung“

BlenderTimer (CC0), Pixabay

In den USA sorgt ein unscheinbares, aber folgenschweres Detail derzeit für Aufregung im Einzelhandel: Die kleinste Münze des Landes, der Penny, wird nicht mehr produziert – und das zeigt erste spürbare Folgen. Immer mehr Geschäfte berichten von einem Mangel an Ein-Cent-Münzen, der zunehmend zu logistischen Problemen an den Kassen führt.

Während einige Supermärkte und Tankstellen bereits improvisieren, fordern Handelsverbände und Wirtschaftsexperten von der Politik dringend eine gesetzliche Lösung, um Preise künftig auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag runden zu dürfen.

Das Ende des Pennys – ein symbolischer, aber problematischer Schritt

Die Entscheidung, den Penny – offiziell seit über 100 Jahren Teil des amerikanischen Währungssystems – nicht länger herzustellen, fiel vor wenigen Monaten aus Kostengründen. Die US Mint, die staatliche Münzprägeanstalt, hatte erklärt, dass die Produktion der Münze längst teurer sei als ihr Nennwert.

Ein Penny besteht aus Kupfer und Zink und kostet laut Schätzungen rund 2,1 Cent in der Herstellung. Jährlich wurden bislang über 4 Milliarden Stück geprägt – ein Aufwand, der sich angesichts sinkender Bargeldnutzung nicht mehr rechtfertigen ließ.

Doch was als Sparmaßnahme begann, entwickelt sich nun zu einem handfesten Problem. Denn solange keine klare gesetzliche Regelung zur Rundung existiert, müssen Geschäfte weiterhin exakt auf den Cent genau abrechnen – auch wenn die Münzen knapp werden.

Händler in der Zwickmühle

Besonders betroffen sind Einzelhändler, Tankstellen, Cafés und kleinere Supermärkte, die weiterhin viele Bargeldtransaktionen abwickeln. Ohne genügend Pennys müssen Kassierer häufig nach Kleingeld improvisieren oder Verluste in Kauf nehmen.

Ein Supermarktmanager aus Illinois schilderte gegenüber dem Sender NBC News:

„Wir haben schon Schilder an die Kassen gehängt, dass Kunden bitte Kleingeld mitbringen oder kontaktlos bezahlen sollen. Aber viele ältere Kunden zahlen immer noch bar – und das wird zum echten Problem.“

In manchen Filialen greifen die Mitarbeiter bereits auf eigene Vorräte an Münzen zurück oder tauschen Wechselgeld mit benachbarten Geschäften.

Ruf nach gesetzlicher Rundungsregel

Der Handelsverband National Retail Federation (NRF) fordert nun den Kongress auf, eine gesetzliche Grundlage zur Preisrundung zu schaffen. Konkret geht es darum, Beträge an der Kasse künftig auf den nächsten 5-Cent-Wert aufzurunden oder abzurunden – wie es etwa Kanada, Australien und Neuseeland längst praktizieren.

In Kanada wurde der Penny bereits 2013 abgeschafft. Seitdem werden Barzahlungen auf- oder abgerundet, während elektronische Zahlungen weiterhin auf den Cent genau erfolgen. Das System habe sich dort bewährt, heißt es aus Ottawa – ohne nennenswerte Nachteile für Verbraucher.

Auch US-Händler sehen darin die praktikabelste Lösung:

„Wir brauchen Rechtssicherheit“, erklärte eine Sprecherin des NRF. „Ohne Rundungsgesetz riskieren wir Chaos an den Kassen und einen Vertrauensverlust bei den Kunden.“

Politik zögert – Verbraucherschützer mahnen Transparenz an

Während Händler Druck machen, zeigen sich Gesetzgeber und Verbraucherschützer gespalten. Einige Abgeordnete im Kongress fordern, zunächst zu prüfen, ob eine Abschaffung des Pennys tatsächlich flächendeckend akzeptiert werde.

Verbraucherschützer warnen derweil vor möglichen Preissteigerungen durch Aufrundungen. Sie verlangen, dass Händler in jedem Fall klar sichtbar kommunizieren, wie gerundet wird – und dass elektronische Zahlungen weiterhin centgenau bleiben.

Bargeld verliert weiter an Bedeutung

Der Penny-Mangel verdeutlicht zugleich einen grundsätzlichen Wandel im US-Zahlungsverhalten: Immer mehr Amerikaner zahlen digital oder kontaktlos. Laut einer Studie der Federal Reserve wurden 2024 nur noch rund 18 Prozent aller Transaktionen in bar abgewickelt – Tendenz fallend.

Finanzexperten sehen darin langfristig das Ende des klassischen Bargeldsystems in den USA. „Der Penny ist das erste Opfer eines Trends, der sich beschleunigen wird“, sagt Ökonomin Janet Phillips. „In wenigen Jahren könnten auch andere Münzen verschwinden – zugunsten digitaler Zahlungssysteme.“

Symbol eines Wandels – und eines ungelösten Problems

Der Penny war mehr als nur Kleingeld – er war ein Symbol amerikanischer Alltagskultur, geprägt mit dem Konterfei von Abraham Lincoln und im Umlauf seit 1909. Nun droht ihm das Schicksal vieler Traditionen: wirtschaftlich unhaltbar, gesellschaftlich überholt.

Doch bis Politik und Wirtschaft eine gemeinsame Lösung finden, bleibt die Lage angespannt. Händler appellieren an ihre Kunden, möglichst mit Karte zu zahlen oder Kleingeld mitzubringen – während Washington überlegt, wie das Land künftig mit seinen kleinsten Beträgen umgehen soll.

Ein-Cent-Stücke verschwinden, die Diskussion bleibt:
Amerika steht vor der Frage, ob es bereit ist, sich endgültig vom Penny – und vielleicht auch vom Bargeld – zu verabschieden.

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