In Braunschweig ist ein ehemaliger Betreiber einer Corona-Teststation festgenommen worden, dem vorgeworfen wird, durch betrügerische Abrechnungen fast eine halbe Million Euro erbeutet zu haben. Der 28-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft.
Festnahme am Berliner Flughafen
Wie die Polizei Braunschweig am Montag mitteilte, wurde der Mann bereits Anfang Oktober am Flughafen Berlin verhaftet. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl vor. Nach Angaben der Ermittler hatte sich der Verdächtige während der laufenden Ermittlungen ins Ausland abgesetzt und war nun nach Deutschland zurückgekehrt, wo er unmittelbar festgenommen wurde.
Verdacht: Zehntausende Corona-Tests erfunden
Dem 28-Jährigen wird schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Zwischen Februar 2022 und Februar 2023 soll er über seine Teststation am Stadtbad Braunschweig deutlich mehr Corona-Tests abgerechnet haben, als tatsächlich durchgeführt wurden.
Laut Polizei seien in der genutzten Testsoftware rund 10.000 Tests dokumentiert worden. Abgerechnet habe der Betreiber jedoch über 90.000 Tests bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) – also neunmal so viele. Auf diese Weise soll der Beschuldigte etwa 475.000 Euro erschlichen haben.
Gesundheitsamt deckte Unregelmäßigkeiten auf
Das Gesundheitsamt Braunschweig hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht, nachdem es Unstimmigkeiten in den Abrechnungen bemerkt hatte. Auffällig war demnach vor allem, dass die Teststation selbst dann außergewöhnlich hohe Testzahlen meldete, als die Nachfrage nach Corona-Tests bundesweit bereits stark zurückgegangen war.
Hinzu kam, dass der Anteil positiver Testergebnisse ungewöhnlich gering war – ein weiterer Hinweis darauf, dass ein erheblicher Teil der abgerechneten Tests nie stattgefunden haben dürfte.
Ermittlungen dauern an
Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. Ob der 28-Jährige die mutmaßlichen Falschabrechnungen allein oder gemeinsam mit weiteren Beteiligten vornahm, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.
Die Polizei prüft außerdem, ob der Beschuldigte möglicherweise auch an anderen Teststellen in Niedersachsen oder angrenzenden Bundesländern tätig war oder dort ähnliche Praktiken angewendet hat.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht dem 28-Jährigen eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Der Fall reiht sich in eine Serie von Ermittlungen wegen betrügerischer Corona-Testabrechnungen ein, bei denen in Deutschland während der Pandemie Millionenschäden für die öffentliche Hand entstanden sind.