Ein Zug, der Reisen in Deutschland verändern soll – das verspricht die Deutsche Bahn mit ihrem neuesten Fernverkehrsmodell: dem ICE L. Am Freitag stellte der Konzern den Zug feierlich am Berliner Ostbahnhof vor. Mit modernem Design, stufenlosem Einstieg und zahlreichen technischen Neuerungen will die Bahn ein neues Kapitel im Fernverkehr aufschlagen.
Das „L“ im Namen steht dabei für „Low Floor“ – und genau das ist die Revolution: Der ICE L ist der erste barrierefreie Fernzug Deutschlands, der komplett ohne Stufen auskommt.
♿ Ein Zug für alle – Barrierefreiheit als Konzept
Bisher war Bahnfahren für viele Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine Herausforderung. Oft mussten Rampen angelegt oder Personal gerufen werden, um Rollstuhlfahrern den Einstieg zu ermöglichen. Der ICE L will das ändern: Seine Böden liegen auf Bahnsteighöhe, die Türen öffnen sich automatisch – der Einstieg ist so bequem wie beim Bus oder in der Straßenbahn.
„Das ist ein Meilenstein für alle Reisenden“, betonte Michael Peterson, Vorstand Personenfernverkehr der Deutschen Bahn. „Unser Ziel ist es, Bahnfahren für jeden möglich zu machen – komfortabel, barrierefrei und nachhaltig.“
🪑 Neues Design und mehr Komfort
Der ICE L überzeugt nicht nur durch seine Technik, sondern auch durch sein völlig neues Innenraumkonzept.
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Sitze: ergonomisch geformt, mit individuell verstellbarer Kopfstütze, USB-C-Anschluss und Laptophalterung.
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Beleuchtung: warmes, indirektes Licht, das sich automatisch an Tageszeit und Stimmung anpasst.
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Familienabteil: größer, heller, mit Platz für Kinderwagen, Wickeltisch und Spielecke.
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Ruhebereich: akustisch optimiert, um ungestörtes Arbeiten oder Lesen zu ermöglichen.
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Empfang: neue Fensterscheiben lassen Mobilfunksignale besser durch – endlich stabileres Internet im Zug.
Auch die Toilettenräume wurden komplett neu gestaltet – größer, moderner und besser zugänglich, auch für Personen mit Rollstuhl oder Gehhilfe.
🚄 Technische Daten und Einsatzgebiet
Der ICE L ist kein klassischer Hochgeschwindigkeitszug, sondern ein sogenannter Intercity-Express der neuen Generation. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ist er etwas langsamer als der ICE 3, dafür aber energieeffizienter und flexibler einsetzbar.
Ein kompletter ICE L besteht aus 13 Wagen, bietet Platz für 562 Fahrgäste, darunter 85 in der 1. Klasse, und verfügt über ein innovatives Zugkonzept mit einem separaten Steuerwagen. Die Züge werden vom spanischen Hersteller Talgo gebaut und gehören zu den modernsten auf dem europäischen Markt.
Die ersten Fahrzeuge sollen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 zunächst zwischen Berlin und Köln verkehren. Ab Mai 2026 sind Einsätze auf weiteren Strecken geplant – unter anderem Berlin–Hamburg–Westerland (Sylt) und Frankfurt–München. Insgesamt sollen 79 Züge bestellt werden.
🌿 Umweltfreundlich und effizient
Neben Komfort setzt die Bahn auch auf Nachhaltigkeit. Der ICE L ist leichter als frühere Modelle, verbraucht weniger Energie und besteht zu großen Teilen aus recycelbaren Materialien.
Dank modernster Antriebstechnik kann der Zug sowohl mit Strom aus der Oberleitung als auch – bei Bedarf – mit einem Hybridantrieb fahren, wenn er auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt wird.
„Das Ziel ist ein klimaneutraler Fernverkehr bis 2040“, sagte Bahnsprecher Oliver Lang. „Der ICE L bringt uns diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näher.“
🕰️ Warum der ICE L so wichtig ist
Der neue Zug ist Teil der größten Modernisierungsoffensive in der Geschichte der Deutschen Bahn. In den kommenden Jahren sollen alte IC- und Intercity-Züge schrittweise durch moderne Modelle ersetzt werden. Insgesamt investiert die Bahn dafür rund 2,5 Milliarden Euro.
Der ICE L soll vor allem dort zum Einsatz kommen, wo ältere Intercity-Züge bisher das Rückgrat des Netzes bildeten. Durch seine Bauweise kann er flexibler auf kleineren Bahnhöfen halten, wo klassische ICEs wegen zu hoher Einstiege bisher nicht barrierefrei zugänglich waren.
🗣️ Reaktionen von Fahrgastverbänden
Der Fahrgastverband Pro Bahn lobte die Neuentwicklung grundsätzlich, mahnte aber gleichzeitig an, dass Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit mindestens genauso wichtig seien wie neue Züge.
„Der ICE L ist ein wichtiger Schritt nach vorn, aber moderne Technik nützt wenig, wenn sie im Stau auf der Schiene steht“, erklärte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann.
Auch Behindertenverbände begrüßten die Innovation. Ursula Weber, Vorsitzende des Vereins Mobilität für alle, sagte:
„Erstmals können Menschen im Rollstuhl spontan verreisen – ohne Anmeldung, ohne Hilfe. Das ist ein echter Fortschritt für Inklusion.“
📈 Ausblick: Ein neues Bahnzeitalter
Mit dem ICE L will die Deutsche Bahn zeigen, dass Zukunft auf Schienen nicht nur schneller, sondern auch menschlicher sein kann. Die Kombination aus Komfort, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit macht den Zug zu einem der modernsten Fernverkehrsfahrzeuge Europas.
Doch die Herausforderung bleibt: Die Bahn kämpft weiterhin mit überlasteten Strecken, veralteter Infrastruktur und Pünktlichkeitsproblemen. Der ICE L könnte also zum Symbol eines neuen Anspruchs werden – aber erst, wenn das Gesamtsystem mitzieht.
Bis dahin dürfen sich Bahnreisende auf ein deutlich angenehmeres Fahrerlebnis freuen – mit mehr Platz, mehr Ruhe und vor allem: ohne Stufen.