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Geflügelpest am Stausee Kelbra bestätigt – über 100 tote Kraniche, Stallpflicht in Vorbereitung

sharkolot (CC0), Pixabay

Am Stausee Kelbra, einem der bekanntesten Vogelrastplätze Deutschlands, hat sich der Verdacht auf Geflügelpest bestätigt. Wie der Landkreis Mansfeld-Südharz am Freitagnachmittag mitteilte, wurde das hochansteckende Virus H5N1 vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, nachgewiesen.

Das Virus, besser bekannt als Vogelgrippe, befällt vor allem Wild- und Hausvögel und kann für sie tödlich sein. Nun plant das Veterinäramt Mansfeld-Südharz die Einführung einer allgemeinen Stallpflicht für alle Geflügelbestände in der Region. Diese Maßnahme soll verhindern, dass das Virus von Wildvögeln auf Nutzgeflügel – etwa Hühner, Enten oder Puten – überspringt.

🐦 Ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel

Der Stausee Kelbra, an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen, gilt als einer der bedeutendsten Rastplätze für Zugvögel in Mitteleuropa. Jedes Jahr im Herbst machen hier tausende Kraniche, Gänse und andere Wasservögel Station, bevor sie weiter nach Südeuropa oder Nordafrika fliegen.

Seit Mittwoch haben Tierärzte und Naturschützer jedoch ein beunruhigendes Bild vorgefunden: Mehr als 100 tote Kraniche wurden in der Umgebung des Sees entdeckt. Erste Untersuchungen deuteten bereits auf eine Virusinfektion hin – nun ist klar, dass es sich tatsächlich um Geflügelpest des Typs H5N1 handelt.

⚠️ Gefahr für Hausgeflügel und Landwirtschaft

Mit der Bestätigung des Virus gilt die Region um den Stausee Kelbra als Gefahrengebiet. Betroffen sind Teile des Kyffhäuserkreises (Thüringen) und des Landkreises Nordhausen. Für Geflügelhalter bedeutet das:

  • Stallpflicht – alle Tiere müssen in geschlossenen Ställen oder überdachten Ausläufen gehalten werden.

  • Strikte Hygieneregeln – z. B. das Desinfizieren von Schuhen und Geräten vor Betreten des Stalls.

  • Keine Kontakte zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel – Futter und Wasser müssen vor Wildvögeln geschützt werden.

Die Behörden betonen, dass solche Maßnahmen entscheidend sind, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Ein Ausbruch in landwirtschaftlichen Betrieben könnte massive wirtschaftliche Folgen haben, da infizierte Tiere in der Regel getötet werden müssen.

🧬 Was ist H5N1?

Das Virus H5N1 gehört zu den sogenannten hochpathogenen aviären Influenzaviren (HPAI) – es ist besonders aggressiv und führt bei Vögeln häufig zu schweren Krankheitsverläufen. Typische Symptome sind Apathie, Atemnot, Durchfall und plötzlicher Tod.
Auch wenn eine Übertragung auf den Menschen selten ist, beobachtet das FLI die Situation genau. Bisher wurden in Deutschland keine menschlichen Fälle gemeldet. Trotzdem gilt: Tote Wildvögel sollten nicht angefasst werden.

🏞️ Bedeutung für Naturschutz und Tourismus

Der Stausee Kelbra ist nicht nur für Ornithologen, sondern auch für Touristen ein beliebtes Ziel. Besonders im Herbst zieht das Schauspiel der ziehenden Kraniche zahlreiche Besucher an. Doch angesichts der aktuellen Lage rufen Behörden dazu auf, Abstand zu halten und Sperrzonen zu respektieren. Spaziergänger sollten Hunde anleinen und vermeiden, Wasserflächen zu betreten.

Naturschutzverbände zeigen sich besorgt: Die hohe Zahl verendeter Kraniche sei ein dramatisches Zeichen für die Verbreitung der Vogelgrippe in Europa. Besonders gefährdet seien Rastplätze, an denen sich große Vogelschwärme konzentrieren.

🕊️ Appell an die Bevölkerung

Der Landkreis bittet Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe:
Wer tote oder auffällige Wildvögel findet, sollte diese nicht berühren, sondern den Fund sofort dem Veterinäramt oder der Polizei melden. Die Kadaver werden dann fachgerecht untersucht und entsorgt.

Trotz der ernsten Lage bleibt die Hoffnung, dass die Maßnahmen schnell greifen. Die Stallpflicht und die intensive Überwachung könnten verhindern, dass sich das Virus auf weitere Regionen ausbreitet.

Das Friedrich-Löffler-Institut wird in den kommenden Tagen weitere Proben aus der Region untersuchen, um das genaue Ausmaß der Infektionen zu bestimmen. Der Fall am Stausee Kelbra zeigt eindrücklich, wie anfällig das Gleichgewicht zwischen Wildtierbeständen und Nutztierhaltung ist – und wie wichtig schnelles Handeln bleibt, um eine größere Tierseuche zu verhindern.

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