Was mit einer romantischen Nachricht beginnt, endet für viele in einem finanziellen Albtraum: Laut einem aktuellen Bericht der britischen Financial Conduct Authority (FCA) verloren Opfer sogenannter „Romance Scams“ im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 106 Millionen Pfund – das entspricht rund 124 Millionen Euro. Damit ist der emotionale Online-Betrug eine der lukrativsten Betrugsformen Großbritanniens.
Die Zahl der Fälle stieg laut den Ermittlern um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Menschen mittleren und höheren Alters, die über Dating-Apps, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste in Kontakt mit den Tätern kamen.
So funktioniert die perfide Masche
Die Betrüger gehen hochprofessionell vor: Sie erstellen falsche Profile mit gestohlenen Fotos, bauen Vertrauen über Wochen oder Monate auf und täuschen eine enge emotionale Bindung vor. Sobald das Opfer gefühlsmäßig gebunden ist, beginnt die eigentliche Manipulation.
Dann folgen Bitten um Geld – oft unter dem Vorwand von Krankheit, Unfällen, familiären Notlagen oder beruflichen Problemen im Ausland. Viele Opfer glauben, einem geliebten Menschen zu helfen, und überweisen teilweise fünfstellige Beträge.
In einem Fall tätigte eine Frau über 400 Zahlungen an ihren vermeintlichen Partner – insgesamt über 72.000 Pfund. In einem anderen übergab ein Mann fast eine halbe Million Pfund in Kryptowährung, nachdem ihm seine angebliche Freundin von einer „dringenden Auslandssituation“ berichtete.
Banken und Behörden in der Kritik
Die FCA wirft britischen Banken vor, bei der Betrugsprävention zu passiv zu handeln. In fast der Hälfte der untersuchten Fälle hätten Institute Warnsignale übersehen – etwa ungewöhnlich hohe Zahlungen oder wiederholte Transfers ins Ausland.
Auch die Kommunikation mit den Kunden sei unzureichend gewesen. Viele Opfer hätten aus Scham falsche Angaben zum Zahlungszweck gemacht, was die Aufklärung erschwerte. In 15 Prozent der Fälle waren die Betroffenen bereits zuvor Opfer eines ähnlichen Betrugs – ohne dass besondere Schutzmaßnahmen ergriffen wurden.
FCA-Sprecherin Sarah Pritchard erklärte:
„Romance Fraud ist keine harmlose Täuschung. Es handelt sich um gezielte psychologische Manipulation, die Menschen emotional und finanziell zerstört.“
Emotionale Schäden oft schwerer als finanzielle Verluste
Neben dem finanziellen Ruin leiden viele Opfer unter massiver psychischer Belastung. Schuldgefühle, Scham und der Verlust des Vertrauens führen nicht selten zu Depressionen oder sozialem Rückzug.
Viele Betroffene berichten, dass sie sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten – aus Angst, verspottet zu werden. Experten gehen daher von einer hohen Dunkelziffer aus.
Forderung nach strengeren Regeln für Plattformen
Da die meisten Betrugsfälle über Dating-Apps und soziale Netzwerke beginnen, fordern Verbraucherschützer mehr Verantwortung von Plattformbetreibern. Fake-Profile und manipulatives Verhalten müssten schneller erkannt und gemeldet werden.
Auch Banken sollen künftig verpflichtet werden, verdächtige Überweisungen stärker zu prüfen und Kunden aktiv zu warnen, wenn typische Muster eines Romance Scams auftreten.
Fazit: Liebe mit tödlicher Falle
Romance Fraud ist längst kein Einzelfall mehr, sondern ein systematisches Geschäftsmodell. Die Täter nutzen gezielt die Sehnsucht nach Nähe und Vertrauen aus – und verursachen jährlich Schäden in Millionenhöhe.
Für Behörden und Banken bedeutet das: Emotionaler Betrug muss endlich wie Finanzkriminalität behandelt werden.
Für Verbraucher gilt: Misstrauen ist kein Zynismus – sondern der beste Schutz.