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Arbeiten im Alter: Wie die Aktivrente den Fachkräftemangel lindern – und die Generationenfrage verschärfen soll

stevepb (CC0), Pixabay

Mit der geplanten Aktivrente will die Bundesregierung ältere Menschen länger im Arbeitsleben halten – und das mit steuerlichen Vorteilen belohnen. Wer über das reguläre Rentenalter hinaus arbeitet, soll künftig bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen können. Doch während die Regierung auf Entlastung für den Arbeitsmarkt und das Rentensystem hofft, wächst vor allem unter jüngeren Abgeordneten der Widerstand – auch aus Bayern.

Steuerfreier Hinzuverdienst ab 2026

Das neue Modell soll ab dem 1. Januar 2026 gelten. Ziel ist es, erfahrene Fachkräfte länger im Beruf zu halten und damit den Fachkräftemangel in Deutschland abzufedern. Laut Bundesfinanzministerium könnten rund 168.000 Menschen die Aktivrente nutzen – also etwa ein Viertel aller Anspruchsberechtigten.

Ausgeschlossen sind jedoch Beamte, Minijobber, Selbstständige, Freiberufler und Landwirte. Diese Gruppen, die ohnehin oft länger arbeiten, profitieren nicht von der Regelung. Die schwarz-rote Koalition will das Modell daher nach zwei Jahren evaluieren und bei Bedarf anpassen.

Für den Staat ist die Aktivrente kein Nullsummenspiel: Die Steuererleichterungen kosten Bund, Länder und Gemeinden jährlich rund 890 Millionen Euro. Die Regierung hofft jedoch, dass diese Investition durch eine höhere Beschäftigung Älterer und steigende Wirtschaftsleistung langfristig kompensiert wird.

„Wir müssen länger arbeiten“ – Zustimmung mit Vorbehalten

Konrad Körner, 33 Jahre alt, Rechtsanwalt und CSU-Bundestagsabgeordneter aus Erlangen, sieht in der Aktivrente grundsätzlich ein positives Signal:

„Ich kann nur hoffen, dass das angenommen wird, weil wir alle länger arbeiten müssen.“

Dennoch bleibt bei ihm und anderen jungen Abgeordneten die Sorge, wie nachhaltig das Rentensystem künftig finanzierbar bleibt. „Schon jetzt geht jeder vierte Euro des Bundeshaushalts in die Rente – das kann nicht beliebig weitersteigen“, so Körner.

Die Aktivrente sei daher nur ein kleiner Baustein, aber keine echte Reform. Die Bundesregierung müsse über 2031 hinaus denken, wenn die geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) vollständig in Rente gehen.

Hoffnung auf Generationengerechtigkeit – oder nur Symbolpolitik?

Union und SPD betonen, die Aktivrente diene auch der „Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit“. Wer länger arbeite, stärke die Sozialsysteme und trage dazu bei, dass die jüngeren Generationen weniger belastet werden. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, bleibt allerdings offen.

Bislang arbeiten nur rund 13 Prozent der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland im Ruhestand weiter – im EU-Vergleich Durchschnitt. Die meisten tun dies aus finanzieller Notwendigkeit, nicht aus freiwilliger Motivation. Kritiker befürchten daher, dass die Aktivrente vor allem denjenigen zugutekommt, die ohnehin überdurchschnittlich verdienen oder über sichere Arbeitsverhältnisse verfügen.

Zudem schafft das Modell keinen Rechtsanspruch auf Weiterbeschäftigung. Es gilt nur, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich einig sind. Für körperlich belastende Berufe, etwa in der Pflege, im Handwerk oder in der Industrie, ist die Aktivrente daher kaum attraktiv.

Streit um Rentenpaket und Zukunft der Altersvorsorge

Die Aktivrente ist Teil des größeren Rentenpakets der Bundesregierung. Neben der steuerlichen Förderung des Weiterarbeitens soll darin auch das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent gesichert und die Mütterrente fortgeführt werden.

Junge Abgeordnete – vor allem aus der Union – zeigen sich skeptisch. Körner und andere fordern, die Rentenkommission müsse konkrete Vorschläge für die Zeit nach 2031 erarbeiten. Eine dauerhafte Garantie für ein hohes Rentenniveau halten sie für finanziell nicht tragbar.

„Wir müssen etwas umsetzen, der Druck wird höher, die Babyboomer gehen in die Rente. Wer jetzt die Augen verschließt, rennt gegen finanzielle Wände“, warnt Körner.

Bundestag vor hitziger Debatte

Am Donnerstag soll das Rentenpaket inklusive Aktivrente im Bundestag beraten werden. Schon jetzt deutet sich an, dass die Reform auf Widerstand der jungen Abgeordneten stoßen wird – quer durch die Fraktionen.

Die Aktivrente soll einerseits den Arbeitsmarkt entlasten, andererseits das Rentensystem stabilisieren. Ob sie aber wirklich zur Generationenfairness beiträgt – oder lediglich ein symbolisches Entlastungsangebot bleibt –, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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