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Glaube, Liebe, Algorithmus – Wie Christen online nach der großen Liebe suchen

amrothman (CC0), Pixabay

Online-Dating gehört längst zum Alltag vieler Menschen – und auch Christinnen und Christen entdecken das Internet zunehmend als Ort für die Partnersuche. Neben den bekannten Apps wie Tinder oder Bumble gibt es mittlerweile spezialisierte Plattformen, die den Glauben ins Zentrum stellen. Eine davon ist „Christ-sucht-Christ“, auf der sich gläubige Singles gezielt nach einem Partner mit ähnlichen Werten und Überzeugungen umsehen.

Ein Beispiel dafür ist Martin aus München. Heute lebt er mit seiner Frau Elisabeth und drei Kindern – und mit einem festen Ritual: sonntags „Sendung mit der Maus“. Doch bevor er seine Familie fand, suchte Martin lange nach der passenden Partnerin.

„Ich habe bei den großen Datingbörsen gemerkt, dass es dort vor allem um äußere Werte und Statussymbole geht“, erinnert er sich. „Aber mir war wichtig, dass meine Partnerin auch etwas mit dem Glauben anfangen kann.“ Deshalb meldete er sich bei Christ-sucht-Christ an – in der Hoffnung, dort jemanden zu treffen, der seinen katholischen Glauben teilt.

„Ich wollte jemanden, der meinen Glauben versteht“

Was Martin erlebt hat, beschreibt viele, die auf christlichen Dating-Plattformen aktiv sind. Es geht weniger um Likes oder schnelle Matches – vielmehr um gemeinsame Werte, Lebensziele und Spiritualität.
Eine Nutzerin der App „Salt“, die weltweit bereits über eine Million Downloads zählt, sagt im Interview mit dem BR: „Ich möchte jemanden kennenlernen, mit dem ich gemeinsam beten und über die Bibel diskutieren kann.“

Eine andere Nutzerin betont: „Mir ist wichtig, dass meine sexuellen Grenzen respektiert und aktiv geschützt werden. Auf Plattformen wie Salt ist das klarer geregelt als bei vielen anderen Dating-Apps.“

Tatsächlich geben viele Nutzerinnen und Nutzer dort an, einer Freikirche, der katholischen oder evangelischen Kirche anzugehören. Damit bietet Salt und ähnliche Apps eine geschützte Umgebung, in der Menschen sich auf Augenhöhe begegnen – und wo der Glaube ein verbindendes Element ist, kein Hindernis.

Zwischen Gebet und Chatnachricht

Auch Martin hat dort zunächst einige erfolglose Dates erlebt, bis er auf das Profil von Elisabeth stieß. „Da war kaum etwas ausgefüllt, nicht mal ein richtiges Foto“, lacht er heute. Trotzdem schrieb er ihr – und schon beim ersten Spaziergang an der Isar sprang der Funke über.

Was folgte, war kein göttliches Wunder, sondern klassische Beziehungsarbeit: Kennenlernen, Vertrauen, gemeinsame Werte. Heute sind Martin und Elisabeth acht Jahre verheiratet, ihre drei Kinder wachsen im Glauben auf – und sie sehen den Online-Dating-Versuch von damals als „kleine Fügung“.

Digitales Dating mit göttlicher Note

Online-Dating ist längst nicht mehr nur ein Ort für Oberflächlichkeiten – es wird zunehmend zu einem Raum für Sinnsuche und Gemeinschaft. Gerade für gläubige Menschen bietet es die Möglichkeit, jenseits klassischer Kirchengemeinden Kontakte zu knüpfen.

Ob das „Matching“ dabei wirklich göttlich inspiriert ist, bleibt offen – doch eines zeigt sich immer wieder: Für viele Christinnen und Christen ist das Internet kein Gegensatz zum Glauben, sondern eine neue Form, diesen zu leben – und vielleicht sogar die Liebe zu finden, die bleibt.

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