In Kanada sorgt ein erschütternder Fall für landesweite Diskussionen: Ein inzwischen geschlossener Meeres-Themenpark hat der Regierung mitgeteilt, dass er nicht länger für die Versorgung seiner verbliebenen 30 Weißwale (Belugas) aufkommen könne – und drohte, die Tiere zu euthanasieren, wenn keine finanzielle Hilfe bewilligt wird.
Wie mehrere Medien, darunter CBC und „The Guardian“, berichten, soll es sich um den Marineland Park in der Provinz Ontario handeln, der bereits seit Jahren in der Kritik steht. Der Betreiber gab an, finanziell am Ende zu sein, da die Unterhaltung der Meeressäuger monatlich mehrere Hunderttausend Dollar koste. In einem Schreiben an die kanadische Regierung heißt es wörtlich:
„Ohne sofortige Unterstützung sind wir gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, die wir zutiefst bedauern würden – aber wir haben keine andere Wahl.“
Regierung lehnt Export nach China ab
Der Park hatte zuvor beantragt, die Weißwale nach China zu verkaufen, um so Geld für ihren Erhalt zu sichern. Doch die kanadische Fischerei- und Ozeanministerin Diane Lebouthillier lehnte den Antrag ab. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2019 ist es in Kanada verboten, Wale, Delfine und andere Meeressäuger zu exportieren oder für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Das sogenannte „Ending the Captivity of Whales and Dolphins Act“ gilt als Meilenstein im Tierschutz und macht Ausnahmen nur in Notfällen möglich – etwa für wissenschaftliche oder artgerechte Umsiedlungen.
Die Ministerin erklärte, ein Export nach China sei nicht mit kanadischen Tierschutzstandards vereinbar, da dort mehrere Delfinarien und Meeresparks wegen schlechter Haltungsbedingungen in der Kritik stehen.
Empörung bei Tierschutzorganisationen
Die Reaktionen auf die Drohung des Parks fielen heftig aus. Kanadische Tierschutzgruppen wie Animal Justice und Humane Society International bezeichneten die Forderung nach Geld als „moralisch verwerflich und inakzeptabel“.
„Das Leben von fühlenden Wesen darf niemals als Druckmittel eingesetzt werden“, erklärte Anwältin Camille Labchuk von Animal Justice. „Wenn die Betreiber finanziell nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, muss der Staat eingreifen – aber auf humane Weise.“
Mehrere Organisationen haben angeboten, bei der Umsiedlung der Wale in Meeresschutzgebiete oder Ozeanreservate zu helfen. Ein mögliches Ziel sei das geplante Whale Sanctuary Project in Nova Scotia, das derzeit als erste große Freiwasseranlage für ehemals in Gefangenschaft lebende Wale entsteht.
Finanzielle und ethische Debatte
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wer trägt die Verantwortung für Tiere, die aus Profitgründen gehalten und dann „überflüssig“ werden, wenn ein Unternehmen scheitert? Während einige Stimmen eine staatliche Rettung der Tiere fordern, warnen andere davor, mit Steuergeldern ein privatwirtschaftliches Versagen auszugleichen.
Tierschützer erinnern daran, dass der Marineland Park bereits mehrfach wegen Tierquälerei und unzureichender Pflegebedingungen in den Schlagzeilen stand. Laut früheren Untersuchungen sollen in den vergangenen Jahren mehrere Meeressäuger an Stress und Krankheiten gestorben sein.
Wie es weitergeht
Die kanadische Regierung prüft nach eigenen Angaben nun rechtliche und organisatorische Möglichkeiten, um die Tiere zu retten. Dabei sollen Tierärzte, Biologen und Meeresschutzorganisationen eingebunden werden. Auch eine vorübergehende staatliche Notfinanzierung steht im Raum, um Zeit für eine dauerhafte Lösung zu gewinnen.
Für viele Beobachter ist der Fall ein Symbol für ein grundlegendes Problem:
„Wenn Tiere als Besitz betrachtet werden, endet ihre Sicherheit mit der Zahlungsfähigkeit ihrer Halter“, kommentierte eine Sprecherin von SeaLegacy.
Das Schicksal der 30 Belugas bleibt damit ungewiss – doch die öffentliche Empörung könnte Druck auf die Regierung erhöhen, eine humane Lösung zu finden, bevor es zu spät ist.