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Deutsche Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe: Supermärkte verdienen an Technik, verweigern aber Rücknahme alter Geräte
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Deutsche Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe: Supermärkte verdienen an Technik, verweigern aber Rücknahme alter Geräte

Glavo (CC0), Pixabay

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht mit scharfer Kritik gegen große Supermarktketten wie Aldi, Lidl, Rewe und Netto vor. Nach Angaben der Umweltorganisation verweigern viele Filialen regelmäßig die Rücknahme alter Elektrogeräte – obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet sind. Das widerspricht klar dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das seit 2022 gilt.

„Der Handel verkauft begeistert Toaster, Rasierer und Fernseher, aber wenn Kundinnen und Kunden ihren Elektroschrott wieder loswerden wollen, heißt es plötzlich: ‚Da sind wir nicht zuständig‘“, kritisierte Thomas Fischer, DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft, im Interview mit dem MDR. Diese Haltung sei nicht nur bequem, sondern schlicht rechtswidrig.

Gesetz klar, Umsetzung mangelhaft

Seit Juli 2022 müssen Supermärkte mit einer Verkaufsfläche über 800 Quadratmetern, die Elektrogeräte im Sortiment haben, defekte Geräte kostenlos zurücknehmen – und zwar unabhängig davon, ob gleichzeitig ein neues Produkt gekauft wird. Doch laut DUH hapert es vielerorts an der Umsetzung: In Stichproben hätten Testkäuferinnen und -käufer in zahlreichen Märkten erleben müssen, dass Rücknahmeanfragen abgelehnt oder abgewiesen wurden.

Einige Märkte verweigerten die Rücknahme mit fadenscheinigen Begründungen: Es fehle an Platz, man sei kein Wertstoffhof oder man nehme nur „eigene Marken“ zurück. Laut DUH sind all diese Aussagen nicht haltbar. „Die gesetzlichen Vorgaben sind eindeutig. Wer Elektrogeräte verkauft, muss auch den Elektroschrott annehmen – alles andere ist Gesetzesbruch“, so Fischer.

DUH will klagen – Druck auf den Handel wächst

Weil Appelle offenbar nicht fruchten, will die Umwelthilfe nun juristisch gegen die Ketten vorgehen. „Wir werden uns das nicht länger anschauen“, kündigte Fischer an. Mehrere Verfahren zur Verpflichtungsklage seien bereits in Vorbereitung. Die DUH hofft, dass klare Gerichtsurteile die Handelsriesen zu mehr Verantwortung zwingen.

Das Problem hat dabei eine umweltpolitische Dimension: In Deutschland fallen jährlich rund 2 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Nur ein Bruchteil davon wird korrekt recycelt. Der Rest landet oft in Mülltonnen, auf illegalen Deponien oder wird ins Ausland exportiert. Die darin enthaltenen Schadstoffe – etwa Blei, Quecksilber oder Cadmium – gefährden Böden, Grundwasser und Gesundheit.

„Wenn der Handel sich vor seiner Verantwortung drückt, landet der alte Fön am Ende im Hausmüll – und mit ihm wertvolle Rohstoffe wie Kupfer oder Gold“, warnt Fischer.

Verbraucherfreundlichkeit sieht anders aus

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das Verhalten der Ketten besonders ärgerlich: Viele Kunden nehmen an, sie könnten alte Geräte dort abgeben, wo sie sie auch gekauft haben. Stattdessen stoßen sie oft auf Unwissenheit oder Ablehnung. „Es ist paradox: Supermärkte werben mit Nachhaltigkeit, führen ‚grüne Wochen‘ durch – aber beim Thema Elektroschrott hört die Umweltfreundlichkeit auf“, so Fischer spöttisch.

DUH fordert Kontrollen und Strafen

Die Umwelthilfe fordert daher, dass Behörden strenger kontrollieren und bei Verstößen empfindliche Bußgelder verhängen. Nur so ließen sich Umweltschutzgesetze auch im Alltag durchsetzen. „Freiwilligkeit hat hier versagt. Wer sich nicht an geltendes Recht hält, muss zur Verantwortung gezogen werden“, betont Fischer.

Die DUH appelliert zudem an Konsumentinnen und Konsumenten, Fälle von verweigerter Rücknahme zu melden. „Nur wenn Verstöße öffentlich werden, kann sich etwas ändern“, so der DUH-Experte.

Damit wird deutlich: Während Supermärkte beim Verkauf neuer Technik keine Scheu vor Umsatz haben, wollen sie beim Recycling offenbar nichts damit zu tun haben. Doch wer Millionen mit Elektrogeräten verdient, muss auch Verantwortung für deren Ende übernehmen – ob er will oder nicht.

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