Die Polizei Hannover hat strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen, nachdem im Stadtgebiet mehrere politisch motivierte Aufkleber entdeckt wurden, die mutmaßlich zur Gewalt gegen die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel aufrufen. Die Sticker zeigen das Porträt der Politikerin, das mit einem Fadenkreuz markiert ist. Darunter steht in großer Schrift der englische Satz „Aim Here!“, zu Deutsch: „Hier zielen!“
Am unteren Rand der Aufkleber ist das Logo der Linksjugend Hannover angebracht. Ob es sich dabei um eine gezielte politische Provokation oder eine missbräuchliche Verwendung des Logos handelt, ist bislang unklar. Die Jugendorganisation distanzierte sich umgehend von den Inhalten. Ein Sprecher der Linksjugend erklärte gegenüber der Presse, dass man „nichts mit der Herstellung oder Verbreitung der Aufkleber zu tun“ habe und man „die gezielte Androhung von Gewalt gegen politische Gegner auf das Schärfste ablehne“.
Ermittlungen wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten
Die Polizei Hannover stuft die Aufkleber als strafrechtlich relevant ein und ermittelt unter anderem wegen § 111 StGB – Öffentliche Aufforderung zu Straftaten. Sollte der Verdacht auf eine politisch motivierte Tat bestätigt werden, könnte auch das Staatsschutzdezernat eingeschaltet werden. Zusätzlich steht die Frage im Raum, ob es sich um eine Form der Volksverhetzung (§ 130 StGB) oder um eine gezielte Einschüchterung mit extremistischer Motivation handelt.
Die Polizei prüft derzeit die Herkunft der Aufkleber, den Verbreitungsweg sowie mögliche Videoüberwachungen an den Fundorten. Zudem werden Anwohner und Passanten als Zeugen befragt. Die Ermittler bitten die Bevölkerung um Mithilfe: Wer Hinweise zu den Urhebern geben kann oder verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0511 / 109‑5555 mit dem zuständigen Kommissariat in Verbindung zu setzen.
Politische Reaktionen und gesellschaftliche Debatte
Der Vorfall sorgt über Hannover hinaus für breite öffentliche Diskussionen. Vertreter aller demokratischen Parteien verurteilten die Darstellung auf den Stickern und mahnten zur politischen Mäßigung. Selbst Kritiker der AfD betonten, dass politische Auseinandersetzung „niemals mit Gewalt oder deren Androhung geführt werden dürfe“.
Alice Weidel selbst äußerte sich bislang nicht persönlich zum Vorfall, ließ aber über eine Sprecherin mitteilen, dass sie von derartigen Einschüchterungsversuchen nicht ablassen werde, sich „klar zur Meinungsfreiheit zu bekennen – auch gegenüber Andersdenkenden“.
Die Bundesgeschäftsstelle der AfD kündigte an, Strafanzeige zu erstatten und erwartet von den Behörden eine konsequente Aufklärung. Gleichzeitig warnt die Partei vor einer „zunehmenden Radikalisierung des politischen Diskurses, die nicht nur verbal, sondern zunehmend auch visuell mit Gewaltfantasien ausgetragen werde“.
Einordnung und Bewertung
Der Einsatz von Symbolen wie Fadenkreuzen – insbesondere in Verbindung mit dem Konterfei realer Personen – ist nicht nur geschmacklos, sondern wird von Strafverfolgungsbehörden regelmäßig als Androhung körperlicher Gewalt oder gar als Aufruf zu einem Attentat gewertet. Die Kombination aus solch einem Bildmotiv und der ausdrücklichen Handlungsaufforderung „Aim here!“ stellt ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar – insbesondere im aufgeheizten gesellschaftlichen Klima.
Ob die Verwendung des Logos der Linksjugend lediglich ein Ablenkungsmanöver oder ein gezielter Versuch war, eine bestimmte politische Strömung zu diskreditieren, bleibt Gegenstand der Ermittlungen.
Fazit
Die Ermittlungen der Polizei Hannover laufen auf Hochtouren. Es ist ein Fall, der nicht nur strafrechtliche Relevanz besitzt, sondern auch eine neue Diskussion über die Verrohung der politischen Debatte in Deutschland anstößt. Es bleibt abzuwarten, ob die Urheber ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden können – und wie Justiz und Gesellschaft mit derartigen Grenzüberschreitungen künftig umgehen.