Dark Mode Light Mode

„Gefangen im Schlick – Urlauber entkommt nur knapp dem Tod im Wattenmeer“

AlkeMade (CC0), Pixabay

Was als idyllischer Spaziergang im Abendlicht begann, endete in einem dramatischen Rettungseinsatz: Ein Tourist aus Luxemburg ist am Freitagabend im ostfriesischen Krummhörn im Wattenmeer bis zur Hüfte im Schlick eingesunken – und geriet dabei in akute Lebensgefahr. Nur durch das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte konnte ein tragisches Unglück verhindert werden.

Spaziergang wird zur Falle

Der Vorfall ereignete sich laut Feuerwehr gegen 19:00 Uhr in der Nähe einer sogenannten Dammstelle, einem durchlässigen Bereich des Deichsystems, der das Festland mit vorgelagerten Flächen verbindet. Dort hatte sich der Urlauber allein auf einen Spaziergang durchs Watt begeben – vermutlich ohne die Tücken des Geländes zu kennen.

Bei ablaufendem Wasser war der Mann zunächst noch auf festem Untergrund unterwegs. Doch plötzlich geriet er in eine Schlickzone, in der er rasch bis zur Hüfte einsank. Alle Versuche, sich selbst zu befreien, scheiterten. Der zähe Meeresboden hielt ihn fest wie in einem Schraubstock. Je mehr er sich bewegte, desto tiefer sank er ein.

„Er hatte keinerlei Chance, sich selbst zu befreien“, so ein Sprecher der Feuerwehr Krummhörn. Der Notruf ging offenbar von einem zufällig vorbeikommenden Spaziergänger oder Passanten aus, der das Geschehen beobachtet hatte und sofort Hilfe rief.

Rettung per Hubschrauber

Da ein schnelles Eingreifen zu Fuß wegen der Gefahr weiterer Einsinkungen kaum möglich war, wurde ein Rettungshubschrauber alarmiert. Wenig später traf die Besatzung ein und konnte den Mann mithilfe einer Rettungswinde aus dem Schlick ziehen – eine heikle und körperlich anspruchsvolle Aktion, bei der jede Minute zählte.

„Er hatte richtig Glück“, sagte ein Sprecher der Polizei Norden später gegenüber der Presse. „Wäre das Wasser schneller zurückgekommen oder wäre er nicht entdeckt worden, hätte die Geschichte tödlich enden können.“

Der Mann erlitt nach ersten Erkenntnissen keine ernsthaften Verletzungen, wurde jedoch zur Kontrolle in ein Krankenhaus gebracht. Er soll sich inzwischen wieder erholt haben – doch der Schock über das Erlebte dürfte tief sitzen.

Das Wattenmeer – ein Naturwunder mit Risiken

Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist eines der faszinierendsten und zugleich tückischsten Naturschutzgebiete Europas. Zwischen Ebbe und Flut wechseln sich alle sechs Stunden Land und Meer ab. Was bei Niedrigwasser wie ein begehbarer Meeresboden wirkt, ist in Wirklichkeit ein hochdynamisches Ökosystem mit wechselndem Untergrund, Schlickfeldern und Prielen.

„Das Wattenmeer ist wunderschön – aber auch unberechenbar“, sagt ein Sprecher des Nationalpark-Hauses in Greetsiel. „Besonders gefährlich sind die Schlickfelder, in denen man blitzschnell einsinken kann. Und viele unterschätzen auch die Geschwindigkeit, mit der die Flut zurückkommt.“

Jedes Jahr kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen – mal mit glimpflichem Ausgang, manchmal jedoch auch mit Todesfolge. Besonders bei Einzelgängern, die sich ohne Ortskenntnis oder Führer ins Watt wagen, ist das Risiko hoch.

Mahnung an alle Nordsee-Urlauber

Feuerwehr und Polizei appellieren deshalb erneut an alle Touristen, das Wattenmeer nicht auf eigene Faust zu betreten – besonders nicht bei ablaufendem Wasser oder in der Nähe von Dammstellen, Prielen und Schlickfeldern. Stattdessen wird geraten, geführte Wattwanderungen mit ausgebildeten Nationalpark-Führern zu unternehmen, die die Gezeiten, Gefahrenstellen und sicheren Routen genau kennen.

Auch das Mitführen eines Handys mit geladenem Akku kann im Notfall entscheidend sein. Zudem empfiehlt die DLRG, bei Spaziergängen in Ufernähe stets auf steigendes Wasser und festen Untergrund zu achten – und bei Unsicherheit lieber umzukehren.

Fazit:

Der dramatische Vorfall von Krummhörn ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie schnell ein vermeintlich harmloser Spaziergang in der Natur zur tödlichen Falle werden kann. Das Watt verzeiht keine Unachtsamkeit – und nur das schnelle Handeln der Retter hat in diesem Fall ein tragisches Ende verhindert. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Fall eine Warnung ist, die andere zum Umdenken bewegt – bevor es zu spät ist.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Bedrohung vor der Haustür – Gewalt gegen Lokalpolitiker nimmt drastisch zu

Next Post

„Endstation Paris?“ – Nachtzug zwischen Berlin und Paris vor dem Aus