Gerade erst wurde er als Symbol für umweltfreundliches Reisen in Europa gefeiert – doch nun droht dem Nachtzug zwischen Berlin und Paris bereits zwei Jahre nach dem Start das jähe Ende. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, könnte die beliebte Verbindung zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember eingestellt werden. Der Grund: Frankreich will seine finanzielle Unterstützung für den Betrieb offenbar streichen.
Auch der Nachtzug von Paris nach Wien, ein weiteres wichtiges Element im europäischen Nachtzugnetz, steht vor dem Aus. Die Informationen stammen laut Le Monde aus Kreisen des französischen Transportministeriums sowie von der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF.
Hoffnungsträger der Verkehrswende in Gefahr
Die Nachtzugverbindung zwischen Paris und Berlin wurde im Dezember 2023 in Kooperation zwischen SNCF und Deutscher Bahn (DB) wieder aufgenommen – nach jahrelanger Pause. Sie galt als Prestigeprojekt für eine nachhaltigere Verkehrspolitik und als europäisches Symbol gegen den massiven Flugverkehr auf Kurz- und Mittelstrecken.
Doch nun zeigt sich, wie fragil solche Angebote sind, wenn es an finanzieller Rückendeckung fehlt. Die Betriebskosten der grenzüberschreitenden Nachtverbindungen seien offenbar nicht mehr durch die französische Seite tragbar, heißt es. Der politische Wille zur Subventionierung scheint geschwunden – trotz zunehmender Klimadebatten und wachsender Nachfrage nach umweltfreundlichen Alternativen.
Verwirrung bei den Betreibern
Auf Anfrage mehrerer Medien wollte sich das französische Verkehrsministerium zunächst nicht offiziell äußern. Die Deutsche Bahn verwies wiederum an die SNCF, die ebenfalls keine Stellungnahme abgab – und auf das Ministerium verwies. Die öffentliche Kommunikation ist also ebenso ins Stocken geraten wie möglicherweise bald der Zugverkehr selbst.
Intern soll die SNCF laut Le Monde den französischen Rückzug bereits bestätigt haben. Die betroffenen Nachtzugverbindungen könnten damit schon ab dem 15. Dezember 2025 aus dem Fahrplan verschwinden – es sei denn, es wird in letzter Minute doch noch eine neue Finanzierungsgrundlage gefunden.
Europäisches Nachtzugnetz unter Druck
Der mögliche Wegfall der Verbindungen Paris–Berlin und Paris–Wien wäre ein schwerer Rückschlag für das junge europäische Nachtzugnetz, das vielerorts gerade erst wieder ausgebaut wird. Die österreichische ÖBB mit ihrem „Nightjet“-Angebot gilt bislang als Vorreiter, auch private Anbieter wie European Sleeper versuchen, neue Strecken zu etablieren. Doch immer wieder scheitern grenzüberschreitende Angebote an hohen Betriebskosten, komplexer Koordination zwischen Bahngesellschaften und mangelnder politischer Unterstützung.
Für viele Reisende, die aus Umweltgründen auf Nachtzüge statt auf Flugreisen setzen, wäre die Einstellung ein herber Verlust – nicht nur aus nostalgischen, sondern vor allem aus praktischen Gründen. Die Strecke Berlin–Paris ist stark frequentiert, die Nachfrage nach Schlafwagenplätzen war seit dem Neustart hoch.
Kritik aus der Klimabewegung
Kritik kommt bereits aus den Reihen von Umweltverbänden und Klimaaktivisten. „Wenn selbst der Nachtzug zwischen zwei europäischen Hauptstädten nicht dauerhaft betrieben werden kann, zeigt das, wie wenig ernst es vielen Regierungen mit der Verkehrswende ist“, heißt es etwa von Greenpeace Frankreich. Auch Vertreter der EU-Kommission hatten wiederholt betont, wie wichtig ein funktionierendes, attraktives Schienennetz für die Erreichung der Klimaziele sei.
Fazit:
Nur zwei Jahre nach seiner Wiedergeburt droht dem Nachtzug zwischen Berlin und Paris das Aus – ein symbolträchtiges Beispiel dafür, wie politische Kurzfristigkeit und fehlende finanzielle Unterstützung langfristige Nachhaltigkeitsziele gefährden können. Ob die Verbindung gerettet wird, hängt nun vor allem von der französischen Regierung ab. Doch die Zeit läuft – und der nächste Fahrplanwechsel naht.