In Hamburg sorgt ein neues Phänomen für Schlagzeilen: In zahlreichen Hauseingängen, an Ampelmasten oder auf Verteilerkästen tauchen derzeit auffällig bunte Aufkleber auf. Sie tragen lediglich das Wort „Taxi“ und einen QR-Code. Doch wer den Code mit dem Smartphone scannt, landet nicht bei einem Fahrdienst, sondern direkt in einem organisierten Drogennetzwerk.
Bestellungen ohne Hindernis
Über die QR-Codes können Betroffene unmittelbar Drogen bestellen – anonym, unkompliziert und ohne nennenswerte Hürden. Die Polizei ist über diese sogenannte Sticker-Methode informiert, hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch mit Details zurück.
„Drogentaxis“ nehmen zu
Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bestätigt, dass die Zahl dieser Drogentaxis spürbar wächst. Sie funktionieren nach dem Prinzip moderner Lieferdienste: Nach einer Bestellung werden die Substanzen direkt an die Konsumenten gebracht.
Besorgniserregend sei, dass sich für diese Kurierfahrten auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gewinnen lassen – darunter Studierende oder sogar junge Mütter, die in finanzieller Not nach einem schnellen Nebenverdienst suchen.
Kokain in Hamburg besonders verbreitet
Suchtexpertinnen und -experten weisen zudem auf einen deutlichen Anstieg des Kokainkonsums hin. Roman Kipp, Leiter der Beratungsstelle Kodrobs in Eimsbüttel, erklärt: „In Hamburg liegt Kokain mittlerweile an dritter Stelle des Konsums – gleich nach Alkohol und Cannabis.“
Damit werde sichtbar, dass harte Drogen längst nicht mehr nur ein Randgruppenproblem darstellen, sondern verstärkt in der Breite der Gesellschaft angekommen sind.
Herausforderung für Polizei und Prävention
Während die Polizei weiter gegen die Netzwerke ermittelt, stellt der Trend auch die Prävention und Suchtberatung in Hamburg vor große Herausforderungen. Die Kombination aus leichter Verfügbarkeit, anonymer Bestellung per QR-Code und wachsendem gesellschaftlichen Konsum erhöht den Druck, mit neuen Aufklärungs- und Unterstützungsangeboten gegenzusteuern.