Rund 10,6 Millionen Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland verfügen nur über eingeschränkte Lese- und Schreibfähigkeiten. Das entspricht etwa 20 Prozent der Bevölkerung – und zeigt, dass funktionaler Analphabetismus in Deutschland weiterhin ein massives Problem darstellt. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Universität Hamburg hervor.
Kaum Fortschritte trotz Bildungsinitiativen
Schon 2018 hatten Bildungsforscher darauf hingewiesen, dass die Zahl der Betroffenen hoch sei, damals war jedoch noch von einem positiven Trend die Rede. Man hoffte, durch gezielte Programme und mehr Sprachförderung den Anteil senken zu können. Doch die neue Untersuchung zeigt: Der Wert stagniert seit Jahren.
Gründe für die Stagnation
Als Ursachen nennt die Studie vor allem die mehrfachen Krisen der Jahre 2018 bis 2023. Die Corona-Pandemie habe Bildungsangebote massiv eingeschränkt, auch Weiterbildungskurse für Erwachsene seien vielerorts ausgefallen. Zudem hätten wachsende soziale Ungleichheit und Migration ohne ausreichende Sprachförderung zur Entwicklung beigetragen.
Folgen für Betroffene
Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen haben oft Probleme im Alltag:
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Schwierigkeiten beim Ausfüllen von Formularen oder beim Verstehen von Behördenpost
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Benachteiligungen im Arbeitsleben, da viele Jobs grundlegende Schriftkenntnisse voraussetzen
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geringere Chancen auf Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten
Nicht selten führt dies zu gesellschaftlicher Ausgrenzung und finanziellen Nachteilen.
Forderungen nach mehr Unterstützung
Bildungsforscher fordern deshalb eine verstärkte Förderung von Erwachsenen, die im Alltag nur unzureichend lesen und schreiben können. Auch in Schulen müsse stärker gegengesteuert werden, damit Kinder gar nicht erst in diesen Kreislauf geraten. Besonders wichtig sei es, niedrigschwellige Lernangebote zu schaffen, die ohne Stigmatisierung genutzt werden können.