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Viele Schmetterlingsarten in Deutschland weiterhin bedroht

depaulus (CC0), Pixabay

In diesem Jahr zeigt sich in Deutschland vielerorts ein lebendiges Bild: Bunte Schmetterlinge flattern über Wiesen, Gärten und Feldränder. Die warme Witterung hat für zahlreiche Arten günstige Bedingungen geschaffen. Doch dieser positive Eindruck ist trügerisch. Nach Einschätzung von Fachleuten ist die Gesamtsituation weiterhin bedrohlich.

Der Insektenkundler Martin Wiemers vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut erklärt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Einzelne Jahre ändern nicht den Trend.“ Auch wenn ein besonders warmer Sommer kurzfristig mehr Falter hervorbringt, bleibe die Artenvielfalt auf lange Sicht rückläufig.

Besonders gefährdet: Moore und Feuchtgebiete

Am kritischsten ist die Lage bei Arten, die auf spezialisierte Lebensräume wie Moore und Feuchtgebiete angewiesen sind. Diese Lebensräume sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden – durch Trockenlegung für Landwirtschaft und Siedlungsbau, aber auch durch den Klimawandel, der zu längeren Dürreperioden führt. Für viele hochspezialisierte Schmetterlingsarten bedeutet dies, dass ihre Lebensgrundlage unwiederbringlich verschwindet.

Ursachen des Rückgangs

Mehrere Faktoren tragen zur Bedrohung der Schmetterlinge bei:

  • Pestizideinsatz: Chemische Pflanzenschutzmittel vernichten nicht nur Schädlinge, sondern auch die Nahrungsquellen von Raupen und erwachsenen Faltern.

  • Intensive Landwirtschaft: Häufiges Mähen von Wiesen und Feldrändern zerstört Nistplätze und tötet unzählige Raupen und Puppen.

  • Wetterextreme: Langanhaltende Trockenheit, Hitzewellen oder Starkregenereignisse setzen empfindlichen Arten stark zu und stören den Lebenszyklus.

  • Zerstückelung von Lebensräumen: Straßenbau, Bebauung und Monokulturen zerschneiden die Landschaft, sodass viele Populationen isoliert werden und aussterben.

Trügerische Momentaufnahmen

Dass in einem Jahr viele Schmetterlinge beobachtet werden können, bedeutet nicht automatisch, dass die Bestände stabil sind. Oft profitieren nur wenige, anpassungsfähige Arten von günstigen Wetterbedingungen, während seltene Arten weiter zurückgehen. So entsteht ein Bild, das oberflächlich lebendig wirkt, tatsächlich aber eine verarmte Artenvielfalt verbirgt.

Was helfen könnte

Experten und Naturschutzorganisationen betonen, dass es dringend mehr Schutzmaßnahmen braucht, um die Schmetterlingsvielfalt zu erhalten:

  • Anlegen von Blühstreifen und Wildblumenwiesen,

  • Verzicht auf Pestizide oder deren deutliche Reduktion,

  • Schonendes Mähen mit längeren Intervallen,

  • Schutz und Renaturierung von Mooren und Feuchtgebieten,

  • sowie Vernetzung von Lebensräumen, damit sich Populationen wieder besser austauschen können.

Symboltiere für den Zustand der Natur

Schmetterlinge gelten als Indikatorarten: Ihr Rückgang zeigt, dass es um die Natur insgesamt schlecht bestellt ist. Wo sie verschwinden, fehlen meist auch viele andere Insekten und Pflanzen. Damit ist ihr Schutz nicht nur eine Frage der Ästhetik – sondern ein Gradmesser für die Gesundheit von Ökosystemen.

Wiemers mahnt daher, dass ein warmer Sommer zwar schöne Bilder liefere, aber nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass viele Schmetterlingsarten kurz vor dem Verschwinden stehen.

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