Seit mehr als sechs Jahrzehnten gibt es die Antibabypille – sie gilt als Meilenstein in der Geschichte der Familienplanung. Dennoch ist Verhütung auch heute noch überwiegend Frauensache. Eine aktuelle #NDRfragt-Umfrage zeigt nun: Viele Menschen wünschen sich eine gerechtere Verteilung der Verantwortung.
So bewerten 71 Prozent der Befragten die bisherige Rollenverteilung bei der Verhütung als unfair. Besonders deutlich fällt die Haltung in Norddeutschland aus: 84 Prozent sprechen sich dafür aus, dass endlich auch eine „Pille für den Mann“ eingeführt werden sollte.
Wunsch nach mehr Gleichberechtigung
Die Befragten verbinden mit der Idee vor allem mehr Partnerschaftlichkeit und Entlastung. Eine Verhütungspille für Männer könnte dazu beitragen, dass nicht mehr allein Frauen mit möglichen Nebenwirkungen und gesundheitlichen Risiken belastet werden. Viele sehen darin einen wichtigen Schritt hin zu Gleichberechtigung in der Familienplanung.
Forschung steckt noch fest
Tatsächlich wird seit Jahrzehnten an männlichen Verhütungsmethoden geforscht – von hormonellen Ansätzen bis hin zu neuartigen Wirkstoffen. Immer wieder wurden Studien gestartet, teilweise sogar mit positiven Ergebnissen. Doch bislang ist keine marktreife „Pille für den Mann“ verfügbar. Gründe sind unter anderem Nebenwirkungen, unsichere Langzeiterfahrungen und ein mangelndes wirtschaftliches Interesse großer Pharmaunternehmen.
Signal aus der Gesellschaft
Die aktuellen Umfragewerte verdeutlichen jedoch, dass die Nachfrage vorhanden ist. Viele Menschen erwarten, dass die medizinische Forschung künftig verstärkt in männliche Verhütungsmethoden investiert. Nach 65 Jahren Antibabypille sehen viele Norddeutsche die Zeit gekommen, dass die Verantwortung für Verhütung fairer zwischen Frauen und Männern verteilt wird.