Die Qualität des in Deutschland angebauten Getreides verschlechtert sich nach Einschätzung des Agrar-Handelsverbands zunehmend. Insbesondere beim Brotweizen gebe es massive Einbußen, erklärte Verbandsgeschäftsführer Martin Courbier im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Demnach sei ein wachsender Teil der diesjährigen Ernte nicht mehr zum Backen geeignet.
Witterung als Hauptgrund
Als Ursachen nennt der Verband vor allem die extremen Wetterbedingungen: Ein zu trockenes Frühjahr und ein anschließend verregneter Sommer hätten die Protein- und Kleberqualität im Weizen erheblich beeinträchtigt. Diese Stoffe sind entscheidend dafür, ob Mehl eine gute Backeigenschaft besitzt. Zwar konnte mengenmäßig eine ordentliche Ernte eingefahren werden, doch qualitativ bleibt sie hinter den Erwartungen zurück.
Importabhängigkeit wächst
Courbier warnte vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Importen. Schon seit Jahren sei Deutschland nicht mehr in der Lage, sich vollständig mit hochwertigem Brotweizen oder Braugerste selbst zu versorgen. Um die Nachfrage in Bäckereien und Brauereien zu decken, müsse daher immer mehr Getreide aus dem Ausland eingeführt werden.
Neue Anbau- und Behandlungsmethoden gefordert
Der Verbandschef mahnte, dass es „keine Denkverbote“ geben dürfe, wenn es um die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel geht. Dazu zählen etwa neue Züchtungsmethoden, eine flexiblere Fruchtfolge oder innovative Verfahren bei der Bodenbearbeitung. Auch die Frage nach dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werde dabei neu zu bewerten sein.
Klimawandel verschärft die Lage
Die aktuellen Probleme sind nach Einschätzung von Fachleuten Teil eines größeren Trends: klimatische Extreme wie Trockenperioden, Starkregen oder Hitzephasen treten immer häufiger auf. Das stellt die Landwirtschaft in Deutschland vor wachsende Herausforderungen, da insbesondere qualitativ hochwertiger Weizen sehr empfindlich auf solche Schwankungen reagiert.
Auswirkungen für Verbraucher
Kurzfristig dürfte die geringere Qualität für Verbraucher kaum spürbar sein – Backwaren bleiben ausreichend verfügbar. Langfristig könnten jedoch steigende Abhängigkeiten von Importen zu Preisschwankungen führen. Zudem steht die Branche vor der Frage, wie sie ihre Produktionsmethoden nachhaltiger und zugleich widerstandsfähiger gestalten kann.
Fazit
Die Ernte 2025 macht deutlich, dass Deutschland beim Brotweizen immer stärker auf das Ausland angewiesen ist. Um die Eigenversorgung langfristig zu sichern, fordert der Agrar-Handelsverband mehr Offenheit für Innovationen in der Landwirtschaft – auch bei bisher umstrittenen Methoden.