Am 15. August begehen Millionen Christinnen und Christen weltweit das Hochfest Mariä Himmelfahrt – einen der bedeutendsten Feiertage im katholischen Kirchenjahr. Was für manche als stiller Feiertag mit Kräuterbuschen beginnt, entfaltet sich andernorts zu einer prachtvollen Prozession zu Ehren jener Frau, die in der Theologie als „Mutter Gottes“ und „Mutter der Menschen“ verehrt wird: Maria.
Ein Glaubensgeheimnis mit langer Geschichte
Die katholische Kirche glaubt, dass Maria nach dem Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde – eine außergewöhnliche Ausnahme, die 1950 von Papst Pius XII. zum letzten offiziellen Dogma der katholischen Kirche erhoben wurde. Zwar findet sich in der Bibel kein direkter Hinweis auf dieses Ereignis, doch die Überzeugung gründet sich auf eine jahrhundertelange theologische und spirituelle Tradition.
In der orthodoxen Kirche wird dasselbe Ereignis unter dem Begriff der „Entschlafung Mariens“ gefeiert – mit weniger dogmatischer Zuspitzung, aber tiefem geistlichem Gehalt. Maria gilt hier als erster Mensch, der in göttlicher Gnade aufgenommen wurde. Eine 14-tägige Fastenzeit, das sogenannte Marienfasten, bereitet Gläubige in der Ostkirche auf das Fest vor.
Marienverehrung im deutschsprachigen Raum
In Österreich trägt der 15. August auch den Namen „Großer Frauentag“ – und mit über 50 Kirchen, die das Patrozinium Mariä Himmelfahrt tragen, hat das Fest hier eine besondere Strahlkraft. Besonders eindrucksvoll ist die alljährliche Schiffsprozession am Wörthersee: Eine Marienstatue aus dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima wird bei Einbruch der Dunkelheit über den See geführt. Statt eines Feuerwerks werden heuer unter dem Titel „Lichtvolle Gedanken“ Worte wie Friede, Liebe und Demut auf die Marienkirche von Maria Wörth projiziert – ein stilles, kraftvolles Zeichen für Frieden und Hoffnung.
Die Tradition der Prozession geht auf das Jahr 1954 zurück, als die Fatima-Statue erstmals per Schiff nach Klagenfurt überführt wurde. Seitdem ist das nächtliche Ritual ein fester Bestandteil des Hochfestes.
Kräuter, Blumen und der Duft von Legenden
Ein weiterer beliebter Brauch ist die Kräuterweihe. Sie erinnert an eine alte Legende, nach der die Jünger im leeren Grab Mariens nur duftende Blumen und heilende Kräuter fanden. Daraus entwickelte sich die Tradition, mindestens sieben verschiedene Pflanzen – etwa Rosmarin, Salbei, Kamille oder Thymian – zu sammeln, zu binden und im Gottesdienst segnen zu lassen. Die Kräuterbuschen werden anschließend im Haus aufgehängt, als Schutz gegen Krankheit, Blitz und Unheil, oder sogar an Tiere verfüttert.
Doch der Brauch ist längst nicht nur symbolisch: Er wird heute auch als stiller Appell für den respektvollen Umgang mit der Natur verstanden – eine Erinnerung an die heilende Kraft, die uns umgibt, wenn wir sie zu achten wissen.
Ein Fest mit politischer Dimension
Abseits der liturgischen Feierlichkeiten wird das Hochfest zunehmend auch als geistliches Zeichen gegen die Wunden der Welt verstanden. Die Internationale Vereinigung der Generaloberinnen rief in diesem Jahr am Vorabend des Festes zu einem weltweiten Gebets- und Fastentag für den Frieden auf – mit Blick auf Konflikte und humanitäre Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten, in der DR Kongo und anderswo. Ihre Botschaft: „Wir können nicht tatenlos zusehen.“
Himmelwärts und mitten im Leben
Mariä Himmelfahrt ist weit mehr als ein katholisches Hochfest. Es ist ein Tag, der zwischen Himmel und Erde steht – zwischen glühendem Glauben und nachdenklichem Innehalten, zwischen uraltem Brauchtum und hochaktueller Botschaft. Maria wird an diesem Tag nicht nur als biblische Figur verehrt, sondern als Symbol für Trost, Fürsprache, Hoffnung und Frieden.
Und vielleicht liegt gerade darin die anhaltende Kraft dieses Festes: Es schenkt den Menschen – ob gläubig oder nicht – jedes Jahr neu einen Moment der Lichtfülle, der Verbundenheit mit dem Himmel und der Erde, mit dem Göttlichen und dem zutiefst Menschlichen.