Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im Juli überraschend stark zurückgegangen. Wie das türkische Statistikamt am Montag mitteilte, lag die Inflationsrate bei 33,52 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – der niedrigste Wert seit November 2021. Im Juni hatte die Teuerung noch bei 35,05 Prozent gelegen. Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als von Analysten erwartet. Diese hatten lediglich mit einem Rückgang auf 34,05 Prozent gerechnet.
Auch im Monatsvergleich zeigen sich leicht positive Signale: Die Preise stiegen von Juni auf Juli nur um 2,06 Prozent – weniger als die von Experten prognostizierten 2,4 Prozent. Trotz dieser moderaten Entwicklung bleibt die Teuerung jedoch weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, was die Kaufkraft vieler Menschen im Land nach wie vor belastet.
Die Türkei leidet seit Jahren unter einer ausgeprägten Inflation, die durch eine Mischung aus geldpolitischen Fehlentscheidungen, Währungsschwäche und geopolitischer Unsicherheit angeheizt wurde. Die Zentralbank hatte unter dem Druck der Regierung lange Zeit auf Zinssenkungen gesetzt, obwohl die Preise weiter stiegen – ein Kurs, der unter internationalen Ökonomen für viel Kritik sorgte.
Seit Mitte 2023 versucht die türkische Notenbank unter neuer Führung jedoch, mit Zinserhöhungen und einem restriktiveren Kurs die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen. Die aktuellen Zahlen deuten nun darauf hin, dass dieser Kurs erste Wirkung zeigt – auch wenn der Weg zu Preisstabilität noch lang sein dürfte.
Ökonomen mahnen zur Vorsicht: Einzelne positive Monatsdaten seien zwar erfreulich, doch strukturelle Probleme und das hohe Ausgangsniveau der Inflation machen eine nachhaltige Entspannung fragil. Auch die schwache Landeswährung und hohe Importkosten bleiben Risikofaktoren.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet der Rückgang immerhin eine kleine Entlastung – auch wenn viele Produkte weiterhin spürbar teurer bleiben als noch vor einem Jahr. Die türkische Regierung dürfte die Entwicklung dennoch als politischen Erfolg werten – vor allem im Vorfeld der nächsten Haushaltsverhandlungen und mit Blick auf das Ziel, das Vertrauen der Bevölkerung und internationaler Investoren wieder zu stärken.