Sie ist Gefangene Nr. 02879-509 im Bundesgefängnis in Florida – und dennoch scheint Ghislaine Maxwell, einst High-Society-Ikone und rechte Hand des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, auch aus der Zelle heraus weiter Einfluss zu nehmen.
Nachdem sie wegen Sexhandels mit Minderjährigen zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, traf Maxwell im Juli mit Vertretern des US-Justizministeriums zusammen – darunter Vize-Justizminister Todd Blanche. Zwei Tage lang soll sie sich zu Epstein und rund 100 weiteren Personen geäußert haben, die mit dessen Missbrauchssystem in Verbindung stehen könnten.
Ihr Anwalt David Markus erklärte:
„Sie hat jede Frage beantwortet. Sie hat nichts zurückgehalten.“
Im Raum steht weiterhin die Frage, ob Präsident Donald Trump, selbst einst enger Bekannter Epsteins, in den Ermittlungsakten eine Rolle spielt – und ob er Maxwell begnadigen könnte. Auf Nachfrage kommentierte Trump lediglich, er „dürfe das tun“, wolle aber keine Diskussion darüber führen.
🧬 Vom Luxusleben zur Häftlingsnummer
Maxwell, Tochter des einst mächtigen britischen Medienmoguls Robert Maxwell, wuchs in einem 51-Zimmer-Anwesen auf, studierte in Oxford und bewegte sich in höchsten gesellschaftlichen Kreisen. Nach dem Tod ihres Vaters 1991 zog sie nach New York, wo sie Jeffrey Epstein kennenlernte – und eine Beziehung begann, die sich zur langjährigen, finanziell abhängigen Partnerschaft entwickelte.
Gemeinsam wurden sie zu Gastgebern elitären Jetset-Lebens: Auf Fotos sind sie mit Donald Trump, Harvey Weinstein, Michael Bloomberg oder Prince Andrew zu sehen. Maxwell managte Epsteins Anwesen, rekrutierte Personal – und, wie später die Justiz feststellte, lockte gezielt junge Mädchen in seine Gewalt.
⚖️ Der Prozess und die Zeugenaussagen
Im Prozess 2021 sagten vier Frauen aus, darunter Annie Farmer, die als Schülerin von Maxwell auf eine angeblich harmlose Reise eingeladen wurde – und später sexuell missbraucht wurde. Eine andere Zeugin schilderte, Maxwell habe sie mit Geschenken und Zuneigung umgarnt, um sie „für Epstein vorzubereiten“.
Die Anklage sprach von mehr als 1.000 Opfern in Epsteins Umfeld. Ohne Maxwell, so die Staatsanwaltschaft, „wäre das alles nicht möglich gewesen“.
Maxwell selbst gab sich im Gerichtssaal ungerührt – sie zeigte keine Reue, zeichnete sogar während des Prozesses die Gerichtszeichnerin.
💬 Loyalität mit Preis
In einem früheren Zivilprozess 2016 verteidigte Maxwell ihre Nähe zu Epstein mit bemerkenswerter Kälte:
„Ich bin ein loyaler Mensch. Er war gut zu mir, als mein Vater starb. Ich wollte ihm in schweren Zeiten helfen.“
Bankunterlagen zeigen: Epstein zahlte ihr über 30 Millionen Dollar.
🏛️ Alltag im Gefängnis – und Hoffnung auf Begnadigung
Heute verbringt Maxwell ihre Tage im Federal Correctional Institute Tallahassee. Sie gibt Yoga- und Etikettekurse, lebt angeblich in einem „Ehrenwohnheim“ mit Einzelzimmer – bestätigt ist das jedoch nicht.
Berichten zufolge darf sie monatlich bis zu 360 Dollar im Gefängniskiosk ausgeben. Ihre vegetarischen Mahlzeiten kritisierte sie 2023 im britischen Fernsehen als „völlig geschmacklos“.
Am 24. und 25. Juli verließ sie erstmals seit Jahren das Gefängnis – um mit Justizbeamten zu sprechen. Beobachter werten das als kalkulierten Schritt: Maxwell will kooperieren, in der Hoffnung auf einen politisch motivierten Deal – vielleicht gar eine Begnadigung durch Trump.
💔 Der persönliche Abgrund
Maxwells Lebensgeschichte ist von Tragik und Machtgier geprägt. Ihre Mutter schilderte sie als „vernachlässigtes Kind“, das später „verzogene Aufmerksamkeit“ suchte. In ihrer Jugend soll Maxwell zielgerichtet nach Reichtum und Einfluss gestrebt haben.
Doch was sie letztlich wollte – Epsteins Liebe oder Anerkennung – bekam sie offenbar nie. „Es gab Zeiten, da hätte ich mich gern als seine Freundin gesehen“, sagte sie einmal. Doch am Ende blieb nur die Rolle als Erfüllungsgehilfin eines Täters.
🧩 Warten auf den nächsten Zug
Während Epstein 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde, wartet Maxwell heute auf eine zweite Chance – ihre Freiheit. Ob sie diese erhält, hängt womöglich davon ab, was sie weiß – und was sie bereit ist zu sagen.