Nach einem erschütternden Vorfall in einem Waldgebiet nahe Utrecht haben die niederländischen Behörden eine eindringliche Warnung ausgesprochen: Menschen sollten derzeit Wald- und Naturschutzgebiete in der Region meiden. Anlass ist ein Wolfsangriff auf ein sechsjähriges Kind, der sich am Mittwochmittag in einem beliebten Naherholungsgebiet ereignet hat.
Wie die Provinz Utrecht am Donnerstag mitteilte, sei der Junge von einem Wolf gepackt und mehrere Meter weit in den Wald geschleift worden, ehe mutige Passanten mit Stockschlägen eingreifen und das Tier vertreiben konnten. Das Kind wurde mit mehreren Bisswunden in eine Klinik eingeliefert, ist aber laut Ärzten außer Lebensgefahr. Der Vorfall gilt als einer der ersten dokumentierten Angriffe eines Wolfs auf einen Menschen in den Niederlanden.
Die Behörden sprechen von einem „auffälligen Tier“, das sich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach ungewöhnlich nah an Menschen herangewagt haben soll. Experten stuften das Verhalten als gefährlich ein, woraufhin bereits vor dem Vorfall eine Abschussgenehmigung für den betreffenden Wolf erteilt wurde – eine Maßnahme, die in den Niederlanden nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt ist.
Die Bevölkerung in der Region wurde am Donnerstag durch Sirenen, Apps und lokale Medien gewarnt. Schulen, Kindergärten und Wandervereine wurden über das erhöhte Risiko informiert, einige Einrichtungen sagten geplante Ausflüge in die Natur ab.
Die Diskussion um den Umgang mit Wölfen in dicht besiedelten Ländern flammt damit erneut auf. Während Tierschützer zu Besonnenheit mahnen, fordern Politiker und besorgte Eltern schnelle und entschlossene Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Landwirtschaftsminister Piet Adema kündigte an, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit „Problemwölfen“ prüfen zu lassen.
In den Niederlanden leben derzeit schätzungsweise 50 bis 60 Wölfe, die sich in den letzten Jahren aus Deutschland kommend wieder angesiedelt haben. Bisher galt das Land – wie große Teile Europas – als sicher für Mensch und Tier. Der jüngste Vorfall dürfte diese Einschätzung grundlegend verändern.