US-Farmerinnen und -Farmer schlagen Alarm: Die strikte Einwanderungspolitik unter Präsident Trump führt zu Arbeitskräftemangel, Ernteverlusten – und stellt die Versorgung mit Nahrungsmitteln infrage. Das betrifft insbesondere die rund 2,6 Millionen Beschäftigten in der US-Landwirtschaft, von denen nach Regierungsangaben rund 42 % keinen legalen Aufenthaltsstatus haben.
Ein Paradebeispiel ist die Kirschbäuerin Candice Lyall aus dem Bundesstaat Washington: Wegen Gerüchten über Polizeikontrollen und Razzien verließen über zwei Drittel ihrer Erntehelfer den Betrieb – einige Früchte konnten deshalb nicht rechtzeitig geerntet werden. Sie selbst unterstützt Trumps Kurs in Sachen Grenzsicherung, sieht aber zugleich den Mangel an legalen und zuverlässigen Arbeitskräften als akute Bedrohung für ihre Existenz.
Erntehelfer fehlen – Lebensmittelpreise steigen
In Kalifornien kam es bereits zu Streiks und Boykottaufrufen nach großangelegten Razzien. Über 200 Farmarbeiter wurden festgenommen. In Wisconsin berichtet Milchbauer Hans Breitenmoser, dass ohne seine mexikanischen Arbeitskräfte der Betrieb seiner 460-Kühe umfassenden Farm nicht möglich wäre: „Ohne sie würden die Tiere verhungern oder sterben.“ Die Milchindustrie warnt: Ohne ausländische Arbeitskräfte könnten Milchpreise fast doppelt so hoch werden.
Auch in Colorado und Idaho wächst die Unsicherheit: Selbst legal beschäftigte H-2A-Arbeitskräfte vermeiden öffentliche Orte aus Angst, versehentlich festgenommen zu werden. „Ich weiß nicht, ob ich bei Walmart verwechselt werde“, sagte ein Arbeiter.
Fehlende Reformen trotz breiter Zustimmung
Trotz steigender Unterstützung in der Bevölkerung für Einwanderung (laut Gallup 79 %) herrscht in der Politik Stillstand. Vorschläge wie die parteiübergreifende „DIGNITY Act“, die langjährig in den USA lebenden Arbeiter legalisieren würde, stecken fest. Haussprecher Mike Johnson bezeichnete eine Reform zuletzt als „schwierig durchzusetzen“.
Währenddessen mehren sich die Stimmen aus der Landwirtschaft, die von einem „unrealistischen System“ sprechen. So berichtet Manuel Cunha, Chef der Nisei Farmers League, dass selbst intensive Kampagnen zur Rekrutierung einheimischer Arbeitsloser scheiterten: 1998 nahmen nur drei von 500 Bewerbern die Arbeit an – niemand hielt länger als zwei Tage durch.
Lösungen? Ja, aber politisch blockiert
Viele Farmer fordern pragmatische Ansätze: Legalisierung für langjährige, nicht vorbestrafte Arbeiter, ein flexibleres Visa-System, mehr Sicherheit für Farmarbeiter und Arbeitgeber. Selbst Präsident Trump deutete zuletzt an, er könne sich Lösungen vorstellen, „wenn Farmer für ihre Arbeiter bürgen“.
Doch wie viele Landwirte sagen: „Ohne Einwanderer kein Essen.“ Und ohne politische Einigung bleibt die Lage für Farmer wie für ihre Arbeitskräfte prekär – zwischen wirtschaftlichem Druck, rechtlicher Unsicherheit und menschlicher Not.