Ron DeSantis scheint erneut eine politische Fehleinschätzung begangen zu haben – und zwar gegen jemanden, der kurz darauf von Donald Trump gefördert wurde: Joe Gruters. Während DeSantis den ehemaligen Landesvorsitzenden der Republikaner öffentlich scharf kritisierte, unterstützte Trump ihn als neuen Vorsitzenden des Republican National Committee (RNC) – und fügte dem geschwächten Gouverneur damit einen weiteren strategischen Rückschlag zu.
Diese Entwicklung verdeutlicht ein Muster: DeSantis gerät zunehmend in Konflikt mit einflussreichen Figuren innerhalb der GOP – darunter viele, die inzwischen enge Verbündete Trumps sind. Der Gouverneur, der seine Präsidentschaftskandidatur 2024 erfolglos beendete, steht nun politisch isolierter da denn je – auch in seinem Heimatstaat Florida.
Ein besonders symbolischer Moment: Noch Anfang Juli standen DeSantis und Trump Seite an Seite beim Besuch eines neuen Abschiebezentrums in Florida („Alligator Alcatraz“) – öffentlich betonten sie ihre Freundschaft. Doch die politische Realität änderte sich abrupt, als Trump Gruters – DeSantis’ erbitterten innerparteilichen Rivalen – zur RNC-Spitze verhalf.
DeSantis’ Versuch, Gruters durch eine eigene Kandidatenaufstellung aus dem Rennen zu drängen, scheiterte. Zitat DeSantis: „Wenn George Washington auferstünde und mich aufforderte, Joe Gruters zum CFO zu ernennen, würde ich trotzdem nein sagen.“ Dieses rhetorische Spektakel brachte ihm jedoch nichts – außer einem weiteren Reputationsverlust.
Die Ironie: Gruters galt lange nicht als Favorit für den Posten, doch eine Wendung im Senatsrennen in North Carolina schuf die Lücke, die Trump nutzte. DeSantis hingegen reagierte nicht – oder zu spät. Ein Vertrauter gab unumwunden zu: „Er hat das zu 1.000 % vergeigt.“
Diese Episode fügt sich in ein größeres Bild ein: DeSantis’ Aufstieg war von Machtpolitik, Loyalitätsbrüchen und Alleingängen geprägt. Nachdem er sich gegen Trumps Willen 2024 zur Präsidentschaftskandidatur stellte und scheiterte, haben sich viele einstige Unterstützer gegen ihn gestellt – darunter Susie Wiles, heute Trumps Stabschefin, und James Blair, der nun Trumps Wahlkampf mitkoordiniert.
Selbst innerhalb Floridas rebellieren republikanische Abgeordnete gegen den Gouverneur. DeSantis zeigt sich unnachgiebig, wirbt neue Kandidat*innen gegen Trump-treue Republikaner wie Byron Donalds an und attackiert parteiinterne Kritiker offen. Seine Frau Casey DeSantis gilt zwar als mögliche Nachfolgerin im Gouverneursamt – doch auch sie dürfte auf massiven Widerstand stoßen.
Fazit: DeSantis’ politisches Geschick steht zunehmend infrage. Seine Konfrontationsstrategie, gepaart mit mangelnder Kompromissbereitschaft, könnte ihn nicht nur auf nationaler Ebene isolieren – sondern auch in seinem eigenen Bundesstaat machtlos zurücklassen.