Angesichts der dramatischen Hungerkrise im Gazastreifen und wachsender internationaler Kritik hat Israels Armee angekündigt, zu „humanitären Feuerpausen“ bereit zu sein. Zudem sollen Korridore für UN-Konvois geöffnet werden, um dringend benötigte Hilfsgüter sicher ins Gebiet zu bringen.
Laut Angaben des israelischen Militärs könnten auch koordinierte Hilfsflüge mit internationalen Organisationen stattfinden – eine Maßnahme, die von Hilfswerken jedoch als ineffizient, gefährlich und symbolisch kritisiert wird. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Luftabwürfe als „Ablenkungsmanöver“ und fordern stattdessen die Öffnung der Landgrenzen.
Hungerkrise fordert hunderte Opfer
Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 sind laut dem Gesundheitsministerium in Gaza mindestens 127 Menschen – darunter 85 Kinder – an Hunger oder Mangelernährung gestorben. Ein besonders erschütternder Fall: Ein fünf Monate altes Baby starb am Freitag in den Armen seiner Mutter.
Die Situation in den wenigen verbliebenen Krankenhäusern ist katastrophal. Ärzte berichten von Zuständen, in denen sie auf dem Flur oder sogar im Freien Patienten behandeln müssen, da es keine Betten mehr gibt. Selbst medizinisches Personal leidet unter Hunger – manche Ärzte kollabieren während ihrer Schichten.
Israel: „Keine Hungersnot“ – UN widerspricht
Die israelische Armee wies in einer offiziellen Stellungnahme die Existenz einer Hungersnot zurück und sprach von einer „Falschkampagne der Hamas“. Diese Darstellung wird von internationalen Organisationen scharf zurückgewiesen.
UNRWA-Direktor Philippe Lazzarini bezeichnete die Airdrops als „teure Show“, die von der eigentlichen Lösung ablenke: der Öffnung der Grenzübergänge und ungehinderten Versorgung der notleidenden Bevölkerung. Laut UN warten derzeit über 6.000 Hilfstransporter in Jordanien und Ägypten auf eine Einreisegenehmigung nach Gaza.
Lage auf See: Hilfsschiff gestoppt
Am Samstagabend wurde ein Schiff der „Freedom Flotilla Coalition“ mit Hilfsgütern und Aktivisten, darunter europäische Abgeordnete, von israelischen Streitkräften in internationalen Gewässern gestoppt. Die Aktivisten berichteten von der Abschaltung der Bordkommunikation und Kameraausrüstung. Bereits im Juni war ein ähnliches Schiff mit Greta Thunberg an Bord abgefangen worden.
Innenpolitischer Druck in Israel wächst
In Israel selbst wächst der Unmut: Tausende protestierten am Samstagabend in Tel Aviv gegen Premierminister Benjamin Netanjahu. Angehörige der Geiseln, die seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober festgehalten werden, warfen der Regierung vor, zu wenig für deren Freilassung zu tun. Sie fordern ein umfassendes Friedensabkommen.
USA: Verhandlungen gescheitert – Trump fordert Eskalation
Die USA haben ihre Unterhändler diese Woche aus den Feuerpausengesprächen zurückgezogen und Hamas mangelnden guten Willen vorgeworfen. Präsident Donald Trump forderte Israel auf, den Krieg „zu Ende zu bringen“ und bezeichnete einen weiteren Dialog mit Hamas als aussichtslos. Gleichzeitig betonte das US-Außenministerium, man bleibe „entschlossen in der Hoffnung auf eine Feuerpause“.