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Ehrenmord in Pakistan: Paar wegen angeblich „unerlaubter Beziehung“ erschossen

geralt (CC0), Pixabay

In der südwestpakistanischen Provinz Balochistan sind ein Mann und eine Frau offenbar wegen einer angeblich „unerlaubten“ Beziehung brutal ermordet worden – auf Befehl eines lokalen Stammesführers. Laut Polizei handelt es sich um einen weiteren Fall sogenannter Ehrenmorde, ein Problem, das in Pakistan weiterhin weit verbreitet ist.

Wie der Chefminister von Balochistan, Safraz Bugti, mitteilte, wurden bereits elf Personen festgenommen, nachdem Videoaufnahmen der Tat in sozialen Netzwerken kursierten und für landesweite Empörung sorgten.

Brutale Tat in der Öffentlichkeit

Auf dem Video, das CNN vorliegt, ist zu sehen, wie mehrere Männer ein Fahrzeug in einer Wüstenlandschaft umringen. Eine Frau, deren Kopf in ein Tuch gehüllt ist, geht langsam vor das Auto, während ein Mann ihr folgt. In der örtlichen Sprache Brahvi sagt sie:

„Du darfst nur auf mich schießen, nichts anderes.“

Dann zieht der Mann eine Pistole und schießt ihr mehrfach aus nächster Nähe in den Oberkörper. Erst nach dem dritten Schuss bricht sie zusammen. Ein weiteres Video zeigt die leblosen Körper von Mann und Frau nebeneinander liegend im Sand.

Die Polizei bestätigte gegenüber CNN, dass es sich bei den Aufnahmen höchstwahrscheinlich um die Tat handelt, die sie aktuell untersuchen.

Traditionelle Gewalt unter dem Deckmantel der „Ehre“

Laut Polizeibericht hatte ein lokaler Stammesältester das Todesurteil ausgesprochen – weil das Paar angeblich eine „illegitime Beziehung“ geführt habe. Solche sogenannten Ehrenmorde sind in Teilen Pakistans, aber auch in anderen Regionen Süd- und Zentralasiens, noch immer verbreitet.

Laut der Menschenrechtskommission Pakistans (HRCP) wurden allein im letzten Jahr mindestens 335 Frauen und 119 Männer Opfer sogenannter Ehrenmorde. Die tatsächliche Zahl dürfte weit höher liegen, da viele Fälle nicht gemeldet oder stillschweigend vertuscht werden.

Gründe für solche Taten reichen von selbst gewählter Heirat über Scheidungsabsichten bis hin zum Verstoß gegen traditionelle Geschlechterrollen. Die Taten werden häufig von Familienangehörigen oder Dorfältesten ausgeführt, die meinen, durch Gewalt die „Familienehre“ wiederherzustellen.

Politische Reaktionen und rechtliche Hürden

Der Mord an der Social-Media-Aktivistin Qandeel Baloch im Jahr 2016 – ebenfalls durch ein Familienmitglied – hatte damals eine landesweite Debatte ausgelöst und zur Verschärfung der Gesetze geführt. Ehrenmorde sind seither mit einer lebenslangen Haftstrafe belegt, doch gesetzliche Reformen allein konnten die Gewalt nicht stoppen.

Die Kombination aus tief verwurzeltem Patriarchat, kultureller Duldung und schwacher Strafverfolgung führt dazu, dass viele Täter weiterhin straffrei bleiben oder mit geringen Konsequenzen rechnen müssen.

Der Chefminister Bugti bezeichnete die jüngste Tat als

„nicht hinnehmbar und eine eklatante Verletzung gesellschaftlicher Werte und der Menschenwürde.“


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