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Maulkorb mit Fußfessel: Bolsonaro darf nicht mal mehr retweeten

JCamargo (CC0), Pixabay

Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro – früher als „Tropen-Trump“ bekannt, heute eher als „Fußfessel-Influencer“ – darf ab sofort nicht mal mehr in Interviews vorkommen, ohne dass ihm der Oberste Gerichtshof mit dem Knast droht. Der zuständige Richter Alexandre de Moraes stellte gestern klar: Wer redet, fliegt – direkt in die Zelle.

Social Media? Abgeschaltet. Interviews? Abgesagt. Demokratieverständnis? Gestrichen.

Denn nicht nur Bolsonaros eigene Posts sind verboten – auch jede noch so indirekte Verbreitung eines Interviews auf Plattformen Dritter ist strafbar. Selbst ein retweet mit „Augenzwinker-Emoji“ könnte zur Handschellen-Aftershow führen. Folgerichtig sagte Bolsonaro ein geplantes Live-Interview ab – womöglich der erste echte Fall von „vermeidungsorientierter Meinungsfreiheit“.


Digitales Hausarrest 2.0

Seit Freitag vergangener Woche trägt Bolsonaro nicht nur politische Verantwortung, sondern auch eine schicke elektronische Fußfessel. Obendrein gilt für ihn nächtliche Ausgangssperre – vermutlich damit er keine Chatgruppen in Mondscheinlaune gründet. Die Generalstaatsanwaltschaft hält ihn für fluchtgefährdet und potenziell einschüchternd gegenüber Behörden – was bei Bolsonaros Track Record nicht aus dem Nichts kommt.

Er selbst nennt die Maßnahmen „die größte Demütigung meines Lebens“ – was man als Mann, der 2022 eine Wahl verloren hat, ja durchaus anders gewichten könnte.


Diplomatischer Kleinkrieg im Tropensturm

Während Bolsonaro sich das Netzverbot schönredet, ist die US-Regierung auf Richter de Moraes und sein Umfeld nicht gut zu sprechen – und entzog kurzerhand Visa für den Richter, seine „Verbündeten“ und deren Familie. Das kam in Brasilia nicht gut an: Präsident Lula da Silva nannte den Schritt „willkürlich, grundlos und eine inakzeptable Einmischung“ – man hätte fast vergessen können, wie diplomatisch beleidigt man sein kann.


Fazit:

Brasilien lernt gerade auf schmerzhafte Weise, wie sich „digitale Entwaffnung“ anfühlt. Während Bolsonaro nicht mehr tweeten darf, twittert die Justiz zurück – mit Paragraphen statt Parolen. Der Kampf um Deutungshoheit findet jetzt im Gerichtssaal statt, Likes werden durch Urteile ersetzt, und selbst Interviews sind zu riskant für einen Mann, der sonst gerne aus dem Stand ganze WhatsApp-Gruppen radikalisiert.

Ob das reicht, um Bolsonaro endgültig den Stecker zu ziehen? Oder wird am Ende doch wieder jemand „aus Versehen“ ein Interview hochladen, das „jemand anders“ geführt hat – mit einem ganz zufälligen Link zu einem Telegram-Kanal?

Bleibt spannend. Aber bitte: leise weiterschauen. Bolsonaro hört vielleicht mit.


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