Im Juni 2024 wurde die verweste Leiche eines unbekannten Mannes aus dem Hudson River geborgen. Monate später, im November, identifizierten die Behörden ihn als Rewell Altunaga, 47, einen kubanischen Künstler, der einst als Pionier der Videospielkunst galt und an internationalen Ausstellungen teilnahm – unter anderem auf der Biennale in Havanna.
Altunaga hatte Kuba rund ein Jahrzehnt zuvor verlassen, in der Hoffnung auf ein neues Leben in den USA. Stattdessen verlor er sich in den Straßen von Harlem – im Kampf gegen Sucht, psychische Erkrankungen und Obdachlosigkeit. Zum Zeitpunkt seines Todes lebte er bereits seit Jahren auf der Straße, diagnostiziert mit Schizophrenie, abhängig von Drogen wie K2 und Kokain, entwurzelt von Familie, Freunden und Kunst.
Geboren 1977 in Camagüey, Kuba, studierte Altunaga an renommierten Kunstakademien und lehrte selbst als Professor. In den 2000er-Jahren verliebte er sich in seine Schülerin Naivy Perez, mit der er später einen Sohn bekam. Nachdem er 2014 in die USA auswanderte, zerbrach die Hoffnung auf einen Neuanfang schnell. Sein zunehmender Drogenkonsum, mehrere Verhaftungen und psychische Krisen führten ihn in die völlige Isolation.
Im öffentlichen Diskurs wurde er zum „Squirrel Man“ – ein Obdachloser, der in Bäumen schlief und einen Reporter angriff. Doch Freunde und Kollegen beschreiben ihn als brillanten Geist, sensiblen Künstler und kritischen Beobachter – mit einem unaufhaltsamen Bedürfnis, Kunst zu schaffen.
Seine Asche ruht nun in einer schlichten Holzkiste in einem Apartment in West Harlem, mit Blick auf die Straßen, in denen er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte – und auf den Fluss, der sein Leben verschluckte.
„Das ist eine Tragödie“, sagte Mary Brosnahan, ehemalige Leiterin der Coalition for the Homeless. „Es zeigt, wie dünn der Faden ist – selbst bei jemandem mit so viel Talent und Versprechen.“