Dark Mode Light Mode

Massentourismus auf Mykonos – und Ruhe in Rumänien: Europas Reise-Gefälle wird deutlicher

DanielaElenaTentis (CC0), Pixabay

Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamts offenbaren ein zunehmend gespaltenes Bild des europäischen Tourismus. Während einige Regionen regelrecht vom Besucherandrang überrollt werden, bleiben andere nahezu unbeachtet. Besonders deutlich wird das anhand der Zahlen für 2023: Auf den griechischen Inseln der südlichen Ägäis, etwa Mykonos, Rhodos, Kos oder Santorini, kamen durchschnittlich 117 touristische Übernachtungen auf jeden einzelnen Einwohner. Das bedeutet: Für jeden Menschen, der dort lebt, übernachten im Jahr fast zehn Tourist:innen pro Monat.

Touristen als Segen – und als Belastung

Zunächst klingt das nach einer Erfolgsgeschichte. Schließlich ist der Tourismus für Griechenland ein zentraler Wirtschaftszweig, der viele Arbeitsplätze schafft und insbesondere in strukturschwachen Regionen für Investitionen sorgt. Aber die Kehrseite dieser Entwicklung ist unübersehbar:

  • Wohnraummangel: Ferienwohnungen verdrängen die einheimische Bevölkerung zunehmend aus Stadtzentren. Mietpreise steigen rasant, und selbst gut verdienende Einheimische haben Mühe, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

  • Überlastete Infrastruktur: Wasserknappheit, überfüllte Abwasseranlagen, Müllberge und Verkehrschaos sind auf vielen Inseln Alltag geworden – insbesondere in den Sommermonaten.

  • Kulturelle Entfremdung: Viele Gemeinden beklagen eine zunehmende Entfremdung von ihren eigenen Orten, die sich fast nur noch am Geschmack internationaler Touristen ausrichten.

Besonders kritisch ist die Lage auf Inseln wie Mykonos, die mittlerweile eher als „Eventlocation“ denn als traditionelles Reiseziel wahrgenommen werden. Dort trifft Hochglanz-Luxustourismus auf prekäre Lebensrealitäten der Angestellten, die oft stundenlange Pendelzeiten in Kauf nehmen müssen, weil sie sich das Leben auf der Insel selbst nicht leisten können.

Das andere Extrem: Fast keine Touristen in Osteuropa

Im krassen Gegensatz dazu stehen Regionen in Polen, Rumänien oder Bulgarien, die trotz teils reizvoller Landschaften, historischer Städte und günstiger Preise fast komplett vom internationalen Tourismus ignoriert werden. In einigen dieser Regionen lag die Zahl der Übernachtungen bei unter einer pro Einwohner und Jahr.

Warum das so ist? Gründe gibt es viele:

  • Fehlende Infrastruktur: Hotels, Restaurants, Wanderwege oder Museumsangebote sind oft nicht auf westliche Touristen eingestellt.

  • Geringe internationale Wahrnehmung: Werben Länder wie Spanien oder Griechenland mit einem jahrzehntelang aufgebauten Image als Urlaubsparadies, fehlen vielen osteuropäischen Regionen schlicht Marketing und Sichtbarkeit.

  • Zögerlicher Ausbau nachhaltiger Angebote: Während sich viele Urlauber zunehmend für sanften oder naturnahen Tourismus interessieren, bieten gerade ländliche Gegenden in Osteuropa hier oft noch zu wenig auf professionellem Niveau.

Dabei liegt genau hier eine große Chance für einen besser verteilten Tourismus in Europa. Denn während Mykonos und Rhodos an ihre Belastungsgrenzen stoßen, könnten zum Beispiel die Karpaten in Rumänien oder die Masuren in Polen durchaus mehr Besucher verkraften – ökologisch, sozial und wirtschaftlich.

Fazit: Ein Europa – zwei Tourismusrealitäten

Die Zahlen machen deutlich: Der europäische Tourismus steht vor einer Umverteilungsaufgabe. Während griechische Inseln an der Grenze zur Übernutzung stehen und ihre Attraktivität langfristig aufs Spiel setzen, werden andere Regionen kaum als Reisedestination wahrgenommen. Eine kluge Tourismuspolitik – europäisch wie national – könnte hier ansetzen:

  • durch gezielte Förderprogramme für alternative Reiseziele,

  • durch Regulierung exzessiver Auswüchse in Hotspots,

  • und durch Investitionen in nachhaltige Tourismusangebote abseits der bekannten Pfade.

So könnten nicht nur Gäste entlastet und Gastgeber gestärkt, sondern auch das kulturelle und ökologische Gleichgewicht Europas bewahrt werden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Vorläufige Eigenverwaltung für RWFK Internationale Transport & Logistik GmbH: Gericht ordnet Sicherungsmaßnahmen an

Next Post

Teure Baustellen: Preise für Bauleistungen steigen schneller als die Inflation