Trotz eines offiziellen Verbots versammelten sich zehntausende Menschen in Ungarns Hauptstadt, um gegen die Einschränkungen der LGBTQ+-Rechte und die autoritäre Politik von Ministerpräsident Viktor Orbán zu protestieren. Die ursprünglich als Pride-Marsch geplante Veranstaltung entwickelte sich zu einer großangelegten Demonstration für Bürgerrechte und gegen staatliche Repression.
Verbotene Parade – aber nicht verstummt
Das ungarische Parlament hatte im März ein neues Gesetz verabschiedet, das es erlaubt, Pride-Veranstaltungen unter dem Vorwand des „Kinderschutzes“ zu verbieten. Laut Kritikern ist dies Teil einer systematischen Aushöhlung demokratischer Grundrechte.
„Das ist der letzte Moment, um für unsere Rechte aufzustehen“, sagte Demonstrantin Eszter Rein Bodi.
Internationale Unterstützung
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Über 30 Botschaften und 70 EU-Abgeordnete unterstützten den Marsch.
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Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief Ungarns Regierung auf, die Parade zuzulassen.
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70 ungarische NGOs veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung gegen das Verbot.
Orbáns Drohungen und Überwachung
Orbáns Regierung hatte vor dem Marsch mit rechtlichen Konsequenzen gedroht:
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Teilnehmer könnten mit Geldstrafen belegt werden.
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Veranstalter riskieren laut Justizministerium bis zu ein Jahr Gefängnis.
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Die Polizei setzte Gesichtserkennungstechnologie zur Überwachung ein.
Trotzdem versuchte Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony, das Verbot zu umgehen, indem er den Marsch als städtische Veranstaltung deklarierte – eine Taktik, die jedoch scheiterte. Karácsony erklärte:
„Wenn ich dafür ins Gefängnis gehe, steigert das nur meine Popularität.“
Politisches Kalkül vor den Wahlen
Politikanalysten zufolge nutzt die Regierung das Thema gezielt, um von wachsender politischer Konkurrenz abzulenken. Die oppositionelle TISZA-Partei unter Péter Magyar führt in aktuellen Umfragen deutlich – hält sich in LGBTQ+-Fragen jedoch zurück. Zwar forderte die Partei Polizeischutz für die Demonstranten, eine klare Position zum Verbot nahm sie aber nicht ein.