Ein internationales Forschungsteam hat bei einer gezielten Expedition im Atlantik über tausend Fässer mit radioaktiven Abfällen entdeckt. Das gab die französische Forschungsorganisation CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) nun bekannt. Die Fässer wurden auf dem Meeresgrund in der Nähe der französischen Küste vor der Bretagne geortet – in einem Gebiet, das zwischen 1950 und 1980 systematisch zur Ablagerung von Atommüll genutzt wurde.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren Mitte Juni mit einem Forschungsschiff ausgelaufen, um das Ausmaß der damaligen Müllentsorgung unter Wasser zu dokumentieren. Ziel der Mission war es, die genaue Lage der Fässer zu erfassen und erste Informationen über ihren Zustand zu sammeln. Mithilfe von Sonargeräten und Unterwasserdrohnen konnten sie nun rund 1.000 Behälter ausmachen – teils intakt, teils sichtbar beschädigt.
Radioaktive Altlasten im Meer
In der Nachkriegszeit galt die Tiefsee als „praktischer“ Entsorgungsort. Staaten wie Frankreich, Großbritannien, Belgien und die damalige Sowjetunion lagerten jahrzehntelang radioaktive Abfälle – insbesondere aus Forschung, Medizin und der Energieindustrie – in Fässern im Atlantik. Damals fehlte es nicht nur an langfristigen Konzepten zur Entsorgung, sondern auch an politischer Kontrolle und öffentlichem Bewusstsein für die Gefahren. Heute gelten diese Altlasten als tickende Zeitbomben.
Was passiert jetzt?
Die Forschung konzentriert sich nun darauf, die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem zu bewerten. Das Team untersucht, inwieweit radioaktive Stoffe bereits ins Wasser gelangt sind und ob marine Lebensformen – Fische, Korallen oder Plankton – bereits kontaminiert wurden. Erste Proben sollen in den kommenden Wochen analysiert werden.
Die französische Regierung und internationale Umweltbehörden sind über die Ergebnisse informiert worden. Ob die Fässer geborgen werden können, ist fraglich – sowohl technisch als auch politisch. In vielen Fällen sind sie so tief oder beschädigt, dass eine Bergung extrem aufwendig und riskant wäre.
Umweltorganisationen fordern Konsequenzen
Internationale Umweltverbände fordern jetzt verstärkte Aufklärung und weitere Forschungsmissionen. „Diese Funde zeigen, dass die Vergangenheit uns buchstäblich auf den Meeresboden drückt“, kommentierte Greenpeace Frankreich. Auch UN-Organisationen wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) dürften sich bald mit dem Thema beschäftigen müssen.
Die Entdeckung ist ein Weckruf: Der Atlantik ist kein Entsorgungsplatz – und was einst achtlos versenkt wurde, könnte für kommende Generationen zum ernsten Problem werden.