Die Stadt Wien hat eine Informationskampagne ins Leben gerufen, um vor den gesundheitlichen Gefahren ästhetischer Eingriffe zu warnen. Anlass ist die stetig steigende Zahl von Schönheitsoperationen in Österreich – jährlich werden laut Schätzungen zwischen 30.000 und 100.000 Eingriffe durchgeführt. Doch viele Menschen unterschätzen die möglichen Komplikationen, die selbst bei vermeintlich kleinen Eingriffen wie Botox- oder Hyaluron-Behandlungen auftreten können.
Gesundheitsstadtrat Hacker mahnt zur Vorsicht
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) betonte in einer Aussendung die Bedeutung fundierter Aufklärung: „Niemand sollte sich auf einen kosmetischen Eingriff einlassen, ohne die möglichen gesundheitlichen Risiken zu kennen. Was in der Werbung harmlos wirkt, kann im Ernstfall ernste Konsequenzen haben.“ Die Stadt will mit ihrer Kampagne besonders junge Menschen ansprechen, die sich häufig durch soziale Medien und Influencer zu solchen Behandlungen verleiten lassen.
Gefahr durch unqualifiziertes Personal
Ein zentrales Problem sei laut Hacker die Zunahme von Eingriffen durch nichtärztliches Personal. Wenn kosmetische Behandlungen von Personen ohne medizinische Ausbildung durchgeführt werden, fehlt oft das nötige Wissen, um auf akute Komplikationen wie Gefäßverschlüsse oder allergische Reaktionen schnell und richtig zu reagieren. „Es gibt leider einen Graubereich, in dem Schönheitssalons oder Kosmetikstudios ästhetische Behandlungen anbieten, obwohl sie dafür nicht zugelassen sind“, warnt der Stadtrat.
Gesetzliche Vorgaben oft unbekannt
Tatsächlich schreibt das österreichische Gesetz bereits jetzt eine verpflichtende ärztliche Aufklärung sowie eine zweiwöchige Bedenkzeit vor jedem ästhetischen Eingriff vor. Vielen Patientinnen und Patienten sei das jedoch nicht bewusst – auch, weil solche Vorschriften von manchen Anbietern nicht korrekt umgesetzt werden.
Expertin: „Langzeitfolgen nicht unterschätzen“
Auch Christine Radtke, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, sieht Handlungsbedarf. Sie appelliert an die Bevölkerung, nur Fachärztinnen und -ärzte aufzusuchen und sich ausreichend Zeit für eine Entscheidung zu nehmen: „Es geht nicht nur um kurzfristige ästhetische Ergebnisse. Viele Eingriffe haben potenzielle Langzeitfolgen, die man im Vorfeld kennen sollte. Bewährte, medizinisch abgesicherte Methoden sind hier der einzig verantwortungsvolle Weg.“
Ziel der Kampagne: Bewusstsein schaffen
Mit Plakaten, Infoveranstaltungen und einer Online-Offensive will die Stadt Wien vor allem Aufklärungsarbeit leisten. Betroffene oder Interessierte sollen sich vorab besser informieren können – nicht nur über Risiken, sondern auch über ihre Rechte. Ein zentrales Anliegen der Kampagne ist es, die Grenze zwischen medizinischer Behandlung und gefährlicher Schönheitsroutine sichtbarer zu machen.
Fazit:
Die Botschaft der Stadt ist klar: Wer einen ästhetischen Eingriff plant, sollte sich bewusst sein, dass auch sogenannte „Beauty-Treatments“ echte medizinische Eingriffe sind – mit möglichen Nebenwirkungen, Folgeschäden und ethischen Fragen. Die Entscheidung sollte nie aus dem Bauch heraus oder unter dem Einfluss von Werbung und Schönheitsidealen getroffen werden.