In einer unscheinbaren Lagerhalle am Rand des Industriegebiets von Piacenza haben italienische Ermittler eine illegale Zigarettenfabrik ausgehoben, die offenbar für den europaweiten Schwarzmarkt produzierte. Die Entdeckung gilt als einer der bislang bedeutendsten Funde dieser Art in Norditalien.
Wie die Finanzpolizei Guardia di Finanza am Donnerstag mitteilte, wurden bei dem Einsatz insgesamt 14 Tonnen gefälschte Zigaretten sowie 10 Tonnen Rohtabak beschlagnahmt. Die Halle war mit modernen Produktionsanlagen ausgestattet – darunter ein automatisiertes Fließband, Industriemaschinen zur Tabakverarbeitung sowie Verpackungseinheiten. Die Anlage ließ laut Polizei keine Zweifel daran, dass hier in großem Maßstab gefälschte Markenware produziert und vertrieben wurde.
Professionell organisiert – millionenschwerer Steuerschaden
„Wir sprechen hier nicht von einer improvisierten Werkstatt, sondern von einer vollautomatisierten Anlage, die mit hoher Effizienz arbeitete“, sagte ein Sprecher der Guardia di Finanza. Die Ermittler gehen davon aus, dass die gefälschten Zigaretten unter bekannten Markennamen verpackt und anschließend über ein kriminelles Vertriebsnetz in den Umlauf gebracht werden sollten – vermutlich mit Abnehmern in mehreren EU-Staaten.
Neben dem illegalen Handel selbst ist vor allem der fiskalische Schaden erheblich. Nach ersten Schätzungen wären dem italienischen Staat durch Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dieser Produktion mehrere Millionen Euro an Verbrauchs- und Tabaksteuern entgangen.
Personen festgenommen – internationale Ermittlungen laufen
Bei dem Zugriff wurde ein Mann festgenommen, der als mutmaßlicher Betreiber der Anlage gilt. Eine weitere Person wurde angezeigt. Die Polizei ermittelt nun wegen mehrerer Delikte, darunter Produktpiraterie, Steuerbetrug, unerlaubter Gewerbebetrieb und möglicher Verstöße gegen das Strafrecht im Bereich organisierter Kriminalität.
Darüber hinaus prüfen die Behörden mögliche Verbindungen zu überregionalen oder internationalen Strukturen. Bereits jetzt gibt es Hinweise darauf, dass die Produktion in Piacenza Teil eines weitreichenderen Schmuggelnetzwerks sein könnte, das Rohstoffe, Maschinen und Vertriebswege grenzüberschreitend organisiert.
Ein wachsender Markt im Schatten
Illegale Zigarettenproduktion und -handel stellen europaweit ein wachsendes Problem dar. In den vergangenen Jahren wurden ähnliche Fabriken in Spanien, Polen, Belgien und auch Deutschland entdeckt. Die Täter agieren professionell, setzen moderne Maschinen ein und nutzen die hohen Gewinnmargen des Tabakmarkts bei gleichzeitig relativ geringem Entdeckungsrisiko.
Laut Schätzungen der EU-Behörden gehen jährlich mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen verloren – zusätzlich zu den Gefahren für die Gesundheit, da die Qualität und Zusammensetzung der gefälschten Zigaretten nicht kontrolliert werden kann.
Die Guardia di Finanza kündigte an, ihre Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit EU-Partnerbehörden fortzusetzen. Ziel sei es, die Hintermänner zu identifizieren, die Lieferketten zu durchleuchten und mögliche Finanzströme zu unterbinden.
Hintergrund: Warum illegale Zigarettenproduktion boomt
Der illegale Tabakhandel floriert unter anderem deshalb, weil die Preisunterschiede zwischen legal und illegal sehr groß sind. Während eine legal versteuerte Schachtel in Italien oft 5 bis 7 Euro kostet, liegt der Preis auf dem Schwarzmarkt mitunter bei weniger als der Hälfte. Das macht die Ware besonders für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen attraktiv.
Zudem sehen sich die Täter vergleichsweise geringen Strafandrohungen gegenüber, da Tabakvergehen in vielen europäischen Ländern als Wirtschaftsdelikte und nicht als Verbrechen eingestuft werden – ganz anders als etwa Drogenhandel oder Waffenbesitz.