Die Laura Privatstiftung, in der Teile des Familienvermögens des mittlerweile insolventen Investors Rene Benko verwaltet werden, hat ihre Beteiligung am bekannten Wiener Innenstadtlokal Fabios verkauft. Laut Recherchen des Magazins profil ging das 7,5-Prozent-Anteilspaket am 6. Juni 2025 per Notariatsakt an den Gastronomen und Mehrheitseigentümer Fabio Giacobello, der damit nun 67,4 Prozent des Restaurants kontrolliert.
Der Verkauf erfolgt vor dem Hintergrund der Ermittlungen rund um die Signa-Insolvenz, bei der auch Transaktionen aus Benkos unmittelbarem Umfeld zunehmend in den Fokus geraten.
Rückblick: Erwerb durch Stiftung kurz vor der Signa-Pleite
Brisant ist vor allem der Umstand, dass die Laura Privatstiftung das Anteilspaket im September 2023 für 650.000 Euro direkt von Rene Benko selbst erworben hatte – nur wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe im November 2023. Laut dem Bericht der Sonderkommission Signa (SoKo) floss die Summe direkt auf Benkos privates Girokonto, ein Vorgang, der unter straf- und insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten potenziell relevant ist.
Benko war laut Firmenbuch vom 29. Juni bis 30. August 2023 formell Mitgesellschafter der Fabios-Betreiberfirma, der Fabio Restaurationsbeteiligungs- und -betriebs GmbH. Zuvor war die Eigentümerstruktur über eine Treuhandfirma verschleiert, in der mehrere Beteiligungen zusammengefasst waren – ohne Einzelpersonen im Firmenbuch namentlich auszuweisen.
Beteiligungsstruktur des „Fabios“ im Überblick
Neben Mehrheitseigner Giacobello, der seinen Anteil nun auf 67,4 Prozent erhöht hat, hält auch Ex-Erste-Group-Chef Andreas Treichl einen maßgeblichen Anteil an der Gesellschaft – konkret 15 Prozent. Weitere 7,4 Prozent gehören der LIUBISA – Familien-Privatstiftung des verstorbenen Gerhard Nidetzky, dem Gründer der renommierten Treuhandkanzlei TPA.
Besonders pikant: Karin Fuhrmann, langjährige TPA-Partnerin, war persönliche Steuerberaterin Benkos und fungierte zeitweise als Vorstandsmitglied der inzwischen insolventen Familie Benko Privatstiftung. Die personellen Verflechtungen zwischen TPA, Benko und den Beteiligungen rund um das „Fabios“ geben den Ermittlern zusätzlichen Anlass zur Prüfung.
Ermittler prüfen potenziellen Vermögenstransfer
Im Zentrum der aktuellen Ermittlungen steht die Frage, ob Benko durch die Übertragung des Anteils an die Laura Privatstiftung im September 2023 gezielt Vermögenswerte gesichert hat – womöglich zum Nachteil von Gläubigern der Signa-Gruppe. Die Überweisung des Kaufpreises auf sein Privatkonto könnte dabei als nachteilige Gläubigerbegünstigung oder unzulässige Vermögensverschiebung kurz vor der Insolvenz gewertet werden.
Auch die Rolle der Stiftung als Käuferin könnte hinterfragt werden: Stiftungen gelten zwar als eigenständige juristische Gebilde, bei familiärer Nähe zur abgebenden Person kann jedoch im Insolvenzverfahren geprüft werden, ob es sich um eine mittelbare Selbstbegünstigung handelt.
Fazit
Der Verkauf der Anteile an Giacobello wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Besitzverhältnisse rund um das Wiener Nobelrestaurant „Fabios“ – und auf die finanziellen Manöver im Umfeld von Rene Benko unmittelbar vor dem Zusammenbruch seines Signa-Imperiums. Die Aufarbeitung der Vorgänge dürfte die Ermittlungsbehörden noch einige Zeit beschäftigen – auch mit Blick auf mögliche Rückforderungsansprüche und strafrechtliche Konsequenzen.