In Sachsen-Anhalt schlagen Landwirte Alarm: Saatkrähen richten zunehmend Schäden auf Feldern an – vor allem beim frisch ausgesäten Mais. Die Vögel picken die Samen noch aus dem Boden, bevor sie keimen können, was zu massiven Ernteausfällen führt. Besonders betroffen seien Regionen mit vielen Krähenkolonien, berichten betroffene Landwirte.
Der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt fordert deshalb, gezielte Maßnahmen zur Bestandsregulierung zu erlauben. Verbandspräsident Olaf Feuerborn erklärte im Interview mit dem MDR, dass es aus Sicht der Bauern keine andere Lösung gebe, als gezielt einzelne Krähen abzuschießen, um die Tiere zu vertreiben und die Bestände zu verringern. Nur so könne der wirtschaftliche Schaden eingedämmt werden, so Feuerborn.
Krähen unter Schutz – Abschuss rechtlich schwierig
Allerdings ist die Situation aus rechtlicher Sicht kompliziert: Saatkrähen stehen unter Naturschutz. Sie gehören zu den sogenannten besonders geschützten Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Ein Abschuss ist grundsätzlich verboten – es sei denn, es gibt eine behördlich genehmigte Ausnahme, etwa zum Schutz der Landwirtschaft.
Das Umweltministerium in Magdeburg teilte mit, man prüfe derzeit, ob ein solcher gezielter Abschuss rechtlich zulässig und verhältnismäßig wäre. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – unter anderem muss nachgewiesen werden, dass andere Maßnahmen nicht ausreichen, etwa das Abdecken der Saat oder akustische Vergrämung.
Was macht die Saatkrähe zum Problemvogel?
Die Saatkrähe ist ein intelligenter und anpassungsfähiger Vogel, der in Kolonien brütet – häufig in der Nähe von Ortschaften. Anders als Rabenkrähen ist sie rein pflanzenfressend, ernährt sich also besonders gerne von Samen und Keimlingen. In manchen Regionen kommt es zu Massenvorkommen, die durch die gute Nahrungsverfügbarkeit und milde Winter begünstigt werden.
Aus Sicht des Naturschutzes ist die Saatkrähe jedoch kein klassischer Schädling, sondern ein Teil des ökologischen Gleichgewichts. Umweltverbände warnen daher davor, vorschnell zu scharfen Maßnahmen zu greifen und fordern stattdessen konfliktarme Lösungen.
Landwirte sehen ihre Existenz bedroht
Für viele Landwirte ist die Situation jedoch ernst: „Wenn der frisch gesäte Mais jedes Jahr wieder aus dem Boden geholt wird, ist das wirtschaftlich nicht tragbar“, klagen Bauern. Die wiederholten Ernteausfälle treffen besonders kleinere Betriebe hart, die ohnehin unter steigenden Kosten und schwierigen Wetterbedingungen leiden.
Wie geht es weiter?
Das Umweltministerium will zeitnah eine Entscheidung treffen. Möglich wären auch Modellprojekte oder zeitlich begrenzte Ausnahmen. Der Landesbauernverband hofft auf ein schnelles Signal – die nächste Aussaat steht bald bevor.