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Digitaler Ausstieg: US-Studierende tauschen Smartphones gegen Klapphandys

qimono (CC0), Pixabay

Immer mehr junge Menschen in den USA wenden sich bewusst von ihren Smartphones ab – und stoßen damit auf überraschend positive Veränderungen in ihrem Alltag. Angeführt wird die Bewegung von Studierenden wie Charlie Fisher und Seán Killingsworth, die ihre Smartphones durch einfache Klapphandys ersetzen und damit einen digitalen Entzug einleiten. Was zunächst wie ein modischer Rückschritt wirkt, wird für viele zur Rückkehr in ein präsenteres, sozialeres Leben.

Charlie Fisher, 20, beschreibt seinen früheren Alltag als „endlosen Zyklus“ aus Social Media, Selbstkritik und wachsender Angst. Erst der Umstieg auf ein einfaches Nokia-Klapptelefon half ihm, sich aus dieser Spirale zu befreien. „Ich sehe die Welt wieder mit Kinderaugen“, sagt er heute. Auch musikalisch ist er aktiver geworden und spielt wieder Mandoline, Banjo und Gitarre.

Ähnlich erging es Seán Killingsworth, der während seines Studiums in Florida die sogenannte Reconnect Movement gründete – eine Gemeinschaft, die regelmäßig analoge Treffen ohne Technik organisiert. „Wir schaffen Räume, in denen Menschen sich einfach treffen, ohne Plan, ohne Ablenkung – nur um miteinander zu sein“, sagt Killingsworth.

Die Bewegung breitet sich aus: An mehreren Universitäten, darunter die University of Florida und die University of Central Florida, sind bereits Ableger aktiv.

Smartphone-Sucht trifft junge Gehirne besonders hart

Laut Experten ist die Smartphone-Sucht vor allem bei jungen Menschen besonders gefährlich. Die ständige Reizüberflutung durch Algorithmen verändert das Belohnungssystem im Gehirn. Dr. Yann Poncin, Kinderpsychiater an der Yale University, spricht von einer „Umprogrammierung des Dopaminsystems“, das zu erhöhter Reizbarkeit, geringerer Frustrationstoleranz und Konzentrationsproblemen führen kann.

Gerade in der Jugend, in der sich Identität und Selbstbild formen, sind soziale Medien besonders einflussreich. Studien zeigen: Fast die Hälfte der Jugendlichen in den USA fühlt sich durch soziale Medien negativ beeinflusst.

Zwischen digitaler Entgiftung und sozialer Herausforderung

Der Umstieg auf ein Klapphandy ist jedoch nicht ohne Hürden. Wer plötzlich keine Messaging-Apps mehr nutzt, stößt schnell auf Kommunikationsbarrieren. Auch Navigation oder berufliche Tools wie Slack oder Teams fehlen. Einige, wie Musikproduzent Fisher, behelfen sich kreativ – etwa mit einem alten iPod oder handgezeichneten Karten.

Andere wählen einen Mittelweg: Influencerin Sammy Palazzolo etwa nutzt ihr Flip-Phone nur auf Partys, um bewusster präsent zu sein – und weil die unscharfen Bilder nostalgischen Charme versprühen.

Tipps für den digitalen Ausstieg

Wer nicht direkt das Smartphone abgeben will, kann laut Expertin Kaitlyn Regehr mit kleinen Schritten beginnen:

  • Apps auf Graustufen umstellen

  • Push-Benachrichtigungen deaktivieren

  • App-Zeitlimits setzen

  • Ein „Phone-Journal“ führen (Wann wurde das Handy genutzt, wie fühlte man sich?)

  • Digitaler Frühjahrsputz“: Accounts entfolgen, die negative Gefühle auslösen

Wichtig sei, die eigene digitale Diät bewusst zu gestalten – also nicht dem Algorithmus das Ruder zu überlassen.

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